Ein Schiff wird kommen und Neil Young singt dazu

+
Neil Young

Mainz - Lieber zweimal hingeschaut: Nein, das weiße Boot, das da den Rhein hochgeschippert kommt, hat keine Kanone an Bord. Dabei hätte eine solche Ausrüstung für jenen magischen Moment am Montagabend im Mainzer Zollhafen durchaus gepasst. Von Christian Riethmüller 

Als das Schiff in Höhe der Nordmole gelangte, spielte Neil Young  nämlich gerade seinen Songklassiker „Powderfinger“, in dem ja einem armierten weißen Schiff eine wichtige Rolle zukommt. Es war nicht die einzige denkwürdige Szene eines großen Konzertabends, den die mittlerweile 68-jährige Rocklegende den über 5000 Besuchern bot. Begleitet von seiner nicht minder legendären Teilzeit-Band Crazy Horse wütete sich Young durch ein über zweistündiges Programm, das mit Titel wie „Living With War“, „Cortez the Killer“, „Rockin’ in the Free World“ oder „Down By the River“ einige seiner grimmigsten Songs enthielt. Die gab es in teils elegischen Versionen zu hören, die sich bis zu 25 Minuten Zeit zur Entfaltung nahmen.

Solche langen Jams sind selten in der Rockmusik geworden, doch Young und Crazy Horse zelebrieren ihre Saitenfeste geradezu. Im längst ikonisch geworden Halbkreis stehen Young, Gitarrist Frank Sampedro und Bassist Rick Rosas (für den erkrankten Billy Talbot) dicht beieinander, geradeso, als wollten sie sich die Griffbretter ihre Saiteninstrumente präsentieren. Denen entlocken sie allerdings jenen donnernden, dröhnenden, jaulenden Gniedel-Sound, von dem man meint, sich gar nicht mehr satthören zu können, bis sich Neil Young plötzlich Klampfe und Mundharmonika schnappt und allein erst Bob Dylans „Blowin’ in the Wind“ und dann seinen immer noch größten Hit „Heart of Gold“ anstimmt. In 5000 Köpfen flackern gewiss sofort Erinnerungen an unzählige Lagerfeuer auf und zahlreiche Hände greifen in die Luft die Akkordfolge e-Moll, C-Dur, D-Dur und G-Dur.

Damit ist das akustische Intermezzo allerdings auch schon wieder vorbei und Young und Crazy Horse lassen wieder die Saiten glühen, so hingebungsvoll und intensiv wie nur sie es können.

Mehr zum Thema