Schlager Starparade in Festhalle

Party mit Miss Zuckerguss

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Lichtgestalt des deutschen Schlagers: Helene Fischer bezauberte beim Auftritt in der Festhalle mit Charme und Bühnenpräsenz.

Frankfurt - Advent, Advent, der Schlager boomt – und in der Festhalle wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Über sieben Stunden lang, mit insgesamt 13 Protagonisten und einer Überdosis heile Welt. Von Peter Müller 

hr4, der Sender des Vertrauens für alle Bewunderer deutscher Liedkunst, hatte mal wieder zum alljährlichen Gipfeltreffen der alten, neuen, größeren und weniger großen Stars der Szene geladen. Und kaum verwunderlich: Rund 8.500 Schlagerfans – Besucherrekord – sind schon am frühen Sonntagmittag in die Frankfurter „Gut Stubb“ gepilgert, um mit Kristina Bach, Mickie Krause, Claudia Jung und Co. einen Party-Marathon anzuzetteln, der jeden ZDF-„Fernsehgarten“ als Kindergeburtstag entlarvt.

Gegen 16 Uhr, die erste Viererbande ist gerade mal mit dem Aufwärmprogramm durch, sieht es denn zumindest im Innenraum der Festhalle schon aus, als sei Silvester mit Fastnacht auf den 1. Advent gefallen und die Müllwerker in Urlaub – auch weil DJ Ötzi zum Finale des ersten Show-Blocks veritablen Hüttenzauber entfacht hatte. Womöglich hätte man ja auch das Pausenlicht etwas dimmen können, zumal von den Rängen putzig grüne Leucht-Buttons im Dauertakt blinken und in schrill-bunten Videoschleifen Florian Silbereisen, Semino Rossi oder die Amigos ihre nächste Tour bewerben: „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?“ fragt Wolfgang Petry noch orakelnd vom Band – „Hölle, Hölle, Hölle“, grölt es aus der Halle zurück.

Michelle trat in Leder-Jeans mit Totenkopf-Gürtel auf.

Dann, der ausnehmend bestens gelaunte Moderator Heinz Günter Heygen sei zwischendurch auch noch genannt, Auftritt Jascha Habeck. „Jascha wer?“, fragt man sich kurz, bevor durchsickert, der junge Mann ist hr4-Moderator und eher im Nebenberuf Schlagerstar, singt aber wacker von „Adrenalin“ oder einem „Leben nach Dir“. Ein komplettes Leben als Berufs-Cowboy hinter sich hat dagegen Tom Astor. Ernsthafte Spätschäden sind dennoch nicht überliefert. Und so knödelt der bald 70-Jährige Nashville-Abgesandte auch programmatische Songs wie „Irgendwie wird´s schon geh´n“ oder „Flieg, junger Adler“ souverän herunter - bevor er mit John Denvers „Country Roads“ einen kollektiven Begeisterungssturm entfacht.

Eindeutig zweideutige Songs

Keine ganz einfache Staffelstab-Übernahme für den vom Rücktritt zurückgetretenen Schlagerstern Michelle, die nicht nur Kinderstimme und entzückende Tattoos, sondern auch Leder-Jeans, Totenkopf-Gürtel und eindeutig zweideutige Songs wie „Hast Du Lust“ oder „Dein Püppchen tanzt nicht mehr“ präsentiert. Und zwar so theatral inszeniert, dass man die Last des Schicksals auf ihren trainierten Schultern fühlt. Immerhin, sie spendet höchstselbst einen finalen Trost: „Die Liebe lebt“.

Nie ohne seine Gitarre: Berufs-Cowboy Tom Astor

Gerd Günther Grabowski (63), besser bekannt als G.G. Anderson, lebt übrigens auch – und sieht fast faltenfreier aus als die vom Stardasein zweifellos gezeichnete Michelle. Er trällert denn auch noch munter von „Mädchen, Mädchen“, von „weißen Stränden in San Angelo“, „Santa Lucia“ und anderen Sehnsuchtsorten. Um dann ein wenig von den Frankfurter Kickern zu schwärmen. Womit der ultimative Höhepunkt des Tages denn auch gebührend vorbereitet wäre: Helene Fischer, die glamouröse Galionsfigur der gesamten Szene. Und, um mal eine Lanze für die schöne, entwaffnend präsente Miss Zuckerguss zu brechen, das ist sie zu Recht.

Mit ihrem Auftritt schnellt das Niveau exorbitant in die Höhe: Während G.G. Anderson sich noch in ein Eintracht-Trikot der Vorsaison geworfen hatte, kommt die im schwarzem Lack-Mini gewandete Schlager-Lichtgestalt dieser Tage mit Laser-Show, großartiger Stimme und der herzigen Riesen-Marionette „Dundu“. Ihre frenetisch bejubelten Songs, von „Du bist ein Phänomen“ über „Atemlos durch die Nacht“ bis „Fehlerfrei“ – schlicht tolles Entertainment. Also, kurz den Hut ziehen, dann aber nichts wie weg. Besser wird´s vermutlich eh nicht mehr. Außer vielleicht 2014, wenn der der nächste Schlagerstar-Gipfel in der Festhalle steigt.

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