Schnurren und Knarzen aus der Lendengegend

Darmstadt - Anfang der Neunziger feierte Curtis Stigers mit wallender Mähne und Popschnulzen wie „I Wonder Why“ und „You’re All That Matters To Me“ große Erfolge. Heute macht er Jazz.  In der Darmstädter Centralstation erfüllte er die heimliche Erwartung der Konzertbesucher durch elegante Interpretationen.  Von Anke Steinfadt

Überhaupt erhielt der gerade 44 Jahre alt gewordene Sänger und Saxofonist viel Beifall, der gleichsam dem Pianisten Matthew Fries, Cliff Schmitt am Kontrabass und Schlagzeuger Keith Hall galt. Das perfekt aufeinander eingespielte Quartett verbreitete gut gelaunte Leichtigkeit. Manchmal schien jeder seinen eigenen Ideen von der rhythmischen Gestalt eines Songs zu folgen, um im Ergebnis doch Geschlossenheit zu verkörpern. Stigers ließ viel Raum zur eigenen Darstellung, trat mehrmals bewusst in den Hintergrund.

Von dem Fachmagazin „Jazz Times“ als bester Jazz-Sänger seiner Generation ausgezeichnet, ist er seit zehn Jahren wieder dem Musikstil verpflichtet, mit dem seine Karriere in den Clubs von New York begann. Seine Haare sind inzwischen gleichmäßig angegraut und kurz geschnitten, seine Stimme ist markant wie eh und je. Manchmal knarzt sie wie ein ungeöltes Gartentor, um gleich darauf harmonisch zu schnurren. Stets kommt sie tief aus der Lendengegend.

Leichtfüßiger Wechsel zwischen Gesang und Saxofon

„Lost In Dreams“ heißt das jüngst erschienene Album, aus dem Stigers neue Songs präsentierte, neben Jazzstandards und älteren Stücken. Zum Auftakt gab es den Elvis-Titel „That’s All Right“ in einer launigen Blues-Jazz-Variante, später weitere Klassiker, die eine Jazz-Version nicht unbedingt nahe legen – etwa John Lennons „Jealous Guy“, Tom Waits’ „San Diago Sere nade“ oder „Cold“ von Annie Lennox. Leichtfüßig wechselt er dabei zwischen Gesang und Saxofonspiel. Zwischendurch imitiert er zur großen Begeisterung des Publikums vokal ein Schlagzeugsolo.

Stigers ist ein guter Unterhalter, erzählt routiniert Anekdoten, gibt dabei allerdings nicht allzu viel seines Innersten preis. Das würde sich im Gesamtbild nicht gut mit der unprätentiösen Coolness vertragen: Dunkle Anzüge mit farblich abgestimmter Krawatte, akkurate Frisuren, matt glänzende Instrumente, dezente Beleuchtung. Nachtclubatmosphäre. Sogar als Stigers zum Schluss Werbung für die aktuelle CD macht und den Kaufreiz durch das Angebot einer Signierung steigert, hat das Stil und Klasse.

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