Schöne Geschichten

Offenbach - Cherilyn MacNeil erzählt gern Geschichten. Schmonzetten aus dem Band-Alltag, mit einem Lächeln, in nahezu perfektem Deutsch. Von Stefan Michalzik

Die 29-jährige Sängerin und Songwriterin, die aus dem südafrikanischen Johannesburg stammt und mittlerweile in Berlin lebt, umgarnt ihr Publikum in charmanter wie unaufdringlicher Weise.

Die Geschichten, die Cherilyn MacNeil, die mit ihrem Trio Dear Reader im Offenbacher Hafen 2 gastiert hat, in ihren Songs erzählt, sind überwiegend von der traurigen Art. Dem klischeehaften Bild von der melancholischen Singer/Songwriterin entspricht sie indes ganz und gar nicht.

Abschied von der Jugend

Obwohl MacNeil, die schon immer alle Songs geschrieben hat, Dear Reader allein betreibt, ist es eine veritable Liveband, die sich auf der Bühne präsentiert, mit dem akustische und elektrische Gitarre und bisweilen E-Bass spielenden Eric Sunbring und dem Schlagzeuger Jacob Lind vom schwedischen Duo Marching Band. Beim neuen Album „Idealistic Animals“, dem ein Gutteil des Konzertrepertoires entstammt, handelt es sich um einen Liederzyklus: Das Grundmotiv ist der Abschied von der Jugend oder, in MacNeils Worten, die „Quarterlife Crisis“; jeder Song ist einem Tier mitsamt bestimmten Eigenschaften zugeordnet.

Von Putzigkeit kann keine Rede sein, selbst wenn gerade der Maulwurf Pate steht. Cherilyn MacNeil kündet von den Abgründen der Seele, von Schmerz, Verzweiflung und Sehnsucht. Ein dann auch wieder sonniges Gemüt mag der Grund dafür sein, warum die zwischen Keyboards und Akustikgitarre wechselnde Musikerin ihre Lieder derart beschwingt inszeniert.

Im Konzert sind die Arrangements etwas abgespeckter, wird zupackender musiziert. Es sind Folkmelodien im Pop-Gewand. In derart schöner Weise muss man Geschichten erst einmal erzählen können...

Rubriklistenbild: © Thomas Siepmann/pixelio.de

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