Schöpfung in schöner Strahlkraft

Es könnte ein milder Sommertag gewesen sein, als Joseph Haydn begann, im Einklang mit sich und der Welt Gottes Schöpfung in Töne zu gießen. Von Klaus Ackermann

So warmherzig und natürlich wirkt sein Oratorium der Weltfrömmigkeit, das vier Frankfurter Chöre, das Museumsorchester und erlesene Gesangssolisten in der Alten Oper belebten. Dass der Klangfilm, der anschaulich den geheimnisvollen Schöpfungsakt beschreibt, sich nicht in putzig-bildhaften Details verlor, davor stand Sebastian Weigle, auf klassische Ausgewogenheit bedacht und die Chormassen zu feiner Dynamisierung verpflichtend.

Das Libretto zur „Schöpfung“ stammt sozusagen aus dritter Hand: Verse eines unbekannten Briten, der auf Miltons „Paradise Lost“ fußt, hatte der Wiener Gottfried van Swieten übersetzt und Haydn zugespielt. Es hat Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer zum Programm, abgesehen von der Vorstellung des Chaos, die Weigle spannend beschwört, in zerrissenen Themen und unendlicher Langsamkeit, ehe der Glanz des aufgehenden Lichts nahezu blendet.

Intensive Klangmalerei mündet in andächtiges Staunen der himmlischen Heerscharen, personifiziert in den Erzengeln, auch Erzähler der ungeheuerlichen Genesis, die der Chor andächtig kommentiert. Die Armada aus Cäcilien-Chor (Einstudierung: Christian Kabitz), Figuralchor (Alois Ickstadt), Singakademie (Paulus Christmann) und Sängerinnen und Sängern der Klassen 7-13 des Goethegymnasiums (Johannes Kaballo) ist von Weigle auf absolut schlanken Klang eingeschworen und bietet noch in den kraftvoll fugierten Passagen einen bruchlos schönen Legato-Gesang – wahrlich eine dankbare Aufgabe.

Eine musikalische Ausgabe von „Brehms Tierleben“

Da bedarf es keiner großen Fantasie, wenn die Sonne in majestätischer orchestraler Macht aufgeht und der Mond mit sanftem Schimmer „durch die Nacht schleicht“. Eine musikalische Ausgabe von „Brehms Tierleben“ ist die Erschaffung der Geschöpfe, durchaus mit Humor gesegnet, wenn die Posaune den vor Freude brüllenden Löwen gibt und die Fagotte Druck machen, weil der Boden vom Gewimmel der Paarhufer bebt. Da spielen der für spannende Berichterstattung und ehrfürchtiges Gotteslob prädestinierte lyrische Tenor Bernhard Berchtold, die Nachtigall-Süße bezeugende Sopranistin Christiane Karg und der profunde, ausdrucksfähige Bass des Michael Nagy einander die Bälle zu.

Letztere sind in dieser Zeitraffer-Weltwerdung zudem Adam und Eva, wenn die Krone der Schöpfung, der Mensch, generiert wird. Himmlische Harmonie aus feinem Flötenklang und die Romantik vorwegnehmenden Hornquinten begleiten das glückliche Paar, samt Chor Gott, den Herrn über Leben und Tod, lobpreisend. Im innigen, ergiebigen Duett mit blitzendem Koloraturen-Zierrat, auch klanglich ein paradiesischer Zustand. Der Sündenfall ist noch fern – Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ sind undenkbar.

Positivismus pur, auch in strikter gestalterischer Linie vom Choralbekenntnis zum finalen Jubelchor: An dieser Schöpfung gibt es nichts zu deuteln – geschweige denn zu mäkeln.

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