Schon wieder ein Abschied

Offenbach - Praktisch alle pophistorisch relevanten Genres führen nach dem Abschluss ihrer Ära ein geisterhaftes Nachleben. Alte Heroen bewegen sich in einer Endlosschleife des Tourens vor einem eingeschworenen Altpublikum, aber auch junge Musiker tun es den Altvorderen nach. Von Stefan Michalzik

So tauchen verstärkt wieder neue Postrockbands auf. Viele der jungen Bands sind Mitte der nuller Jahre gegründet worden, wie wenn es gegolten hätte, den Rock, der zu Beginn des Jahrzehnts im Zeichen der Queens of the Stone Age, The Strokes, The White Stripes und einer Welle von The-Bands nach einem elektronischen Jahrzehnt plötzlich auf der Bildfläche erschienen war, erneut zu verabschieden.

Im Offenbacher Hafen 2 geben sich derzeit die Postrockbands schon beinahe die Klinke in die Hand. Nach den dänischen Sky Architects und Meniscus aus Australien gastierten dort nun Tides From Nebula aus der polnischen Hauptstadt Warschau. Eröffnet wurde das Konzert von den aus der Region stammenden Glasgow Coma Scala. Deren Musik wirkt ungemein relaxt. Das Trio um den auch für die Programmierung der elektronischen Beimengungen zuständigen Gitarristen Piotr Kowalski, seinen Bruder Marek am Bass sowie den Schlagzeuger Helmes Bodes baut die genreüblichen Gitarrenwände auf, es garniert sie immer wieder mit fiependen Elektroniksounds, die Musik klingt ungeschraubt und ungemein frisch.

Bei Tides From Nebula wird gewaltig gerockt

Derweil bei Glasgow Coma Scala bisweilen unterschwellig eine Funkyness mitschwingt, wird bei Tides From Nebula gewaltig gerockt. Das showbewusste Quartett um die Gitarristen Maciej Karbowski und Adam Waleszynski, den Bassisten Przemek Weglowski und den Schlagzeuger Tomasz Stolowski betont vor allem den pophistorischen Wurzelstrang, der vom Artrock der siebziger Jahre zum Postrock führt. Die Musiker sind effektgerätversessen, Karbowski steuert gelegentlich Linien vom E-Piano bei.

Diese nuanciert-altmodische Musik hat ihre Qualitäten, frei von Wiederholungen ist sie indes nicht. Es ist immer wieder das alte Wechselspiel zwischen intim-leisen und exzesshaft lauten Phasen, das bemüht wird. Den Postrock haben Tides From Nebula ungeachtet einer beachtlichen Wirkungsmacht nicht neu erfunden.

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