Biffy Clyro rockt die Stadthalle

Halbnackter Wahnsinn

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Willkommen in der Sauna: Sänger und Gitarrist Simon Neil bei schweißtreibender Arbeit in der Offenbacher Stadthalle.

Offenbach - In der Kälte vor der Stadthalle brauchen die „Brauchste Karte?“-Typen und die Fans vor allem eine dicke Jacke, drinnen herrscht schon bald Sauna – befeuert von drei Schotten. Von Barbara Hoven

Mit tobenden Gitarren und, wie man es von ihnen kennt, nacktem Oberkörper haben Biffy Clyro die Bühne eingenommen, um sich dort gut anderthalb Stunden lang vor vollem Haus schweißtreibend die Seele aus dem Leib zu rocken. Seit fast zwei Jahrzehnten machen Simon Neil und die Zwillinge James (Bass) und Ben (Schlagzeug) Johnston gemeinsam Musik, in England füllen sie schon ewig die Stadien. Dass auch hierzulande die Zeiten vorbei sind, da die Band nur als Insider-Tipp gehandelt wurde, wird in Offenbach deutlich.

Mancher, der gekommen ist, weil er ein paar Hits wie „The Captain“ oder „Black Chandelier“ kennt, geht mit dem Erkenntnisgewinn wieder, dass diese drei Musiker so viel mehr zu bieten haben. Ob rockig, Pop, Metal oder die fast schon hymnische Ballade – Biffy Clyro sind Könner ihres Kalibers, nehmen ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Reise durch viele Richtungen, ohne sich dabei auch nur einmal zu verirren.

So hat Sänger Simon Neil eben noch mit dröhnender, stimmlicher Brachialgewalt Hits wie „Bubbles“ und „Spanish Radio“ geschmettert und dabei so manchen Fan neu frisiert – sei es durch Schalldruck oder den Willen zum Kopfschütteln oder mindestens Mitwippen. Gleich darauf greift er zur Akustik-Gitarre, um bei „The Rain“ ganz andere, fast weiche Töne anzuschlagen. Auch bei „Folding Stars“ gehört die Bühne ihm allein, für diese große Hommage an seine verstorbene Mutter.

Doch da geht noch mehr, nach hinten hin wird der Abend von Minute zu Minute immer besser, die Songauswahl mit dem Mix aus älteren Hits und Stücken vom aktuellen Doppelalbum „Opposites“ überzeugt. Frontmann Neil – voller Stimme und Bühnenpräsenz, obwohl die Band seit mehr als einem Jahr quasi ununterbrochen auf Tour ist – serviert weitere Kracher wie „Living Is A Problem Because Everything Dies“ samt epischem Intro, „Many Of Horror“ oder ein Kultstück wie „The Captain“ fürs Finale.

Rock am Langener Waldsee

Rock am Langener Waldsee

Zeit für einen Zugabe-Dreier bleibt auch noch: Mit „Opposite’“, „Stingin Belle“ und „Mountains“ gibt’s noch eine Extradosis Schotten-Rock vom Feinsten. Als die Musiker statt in schottischem Dialekt dann noch in fast akzentfreiem Deutsch den Fans in Offenbach danken, ist die Sache glasklar: Da hat alles gepasst.

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