Schreitherapie einer Legende

Joe Cocker in der Festhalle Frankfurt

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Frankfurt " „You . . . are . . . so . . . beautiful . . . to . . . me . . . “ - sechs Worte, bedeutungsschwangere Pausen dazwischen - mehr braucht Joe Cocker nicht, um einen Beifallssturm durch die Frankfurter Festhalle fegen zu lassen. Von Markus Schaible

Und das ist nicht der einzige Gänsehautmoment an diesem Abend. Fast 69 Jahre alt ist der Mann, der da am Mikrofon steht, rund 45 Jahre ist er schon auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, doch seine einzigartige Stimme hat nichts von ihrer Faszination verloren. Rau, fast brüchig, aber intensiv wie kaum eine andere, so klang sie einst in Woodstock und so klingt sie noch heute.

Es ist seine letzte Welttournee, so ist zu hören, die ihn auch in die Mainmetropole führt. Einerseits nachvollziehbar, schließlich hat der Mann viel erlebt, Höhen wie Tiefen, Exzesse wie Erfolge. Aber andererseits ... Es wäre ein Riesenverlust für die Musikwelt. Natürlich lockt ein Joe Cocker kein junges Partyvolk in die Festhalle, aber auch die Generation 40 plus ist in der Lage, die Halle annähernd auszuverkaufen. Bestuhlt, versteht sich.

Dauert, bis richtig Stimmung aufkommt

Bestuhlt, das ist vielleicht mit ein Grund, warum es dauert, bis richtig Stimmung aufkommen will. Aber Cocker ist auch nicht der geborene Entertainer. Er steht, ganz in blauschwarz gekleidet, am Mikrofon, rudert wie immer mit den Armen, bewegt die Finger, als wolle er beständig schnippen, und singt. Auch die erstklassige, sechsköpfige Begleitband fällt mehr durch konzentriertes Musizieren auf denn durch effektheischende Gesten. Einzig die Backgroundsängerinnen versuchen sich ein wenig als Animateurinnen.

So steht die Musik absolut im Vordergrund - was schon dadurch verdeutlicht wird, dass die Leinwand im Hintergrund ausschließlich für farbenfrohe Lichtspielereien genutzt wird. Keine Filme, keine Live-Aufnahmen des Rocksängers, kein Schnickschnack halt ...

„Fire it up“

„Fire it up“, so heißt Cockers neues Album - und der Mann aus Sheffield sorgt für ein wahres Feuerwerk an Hits. Der Titelsong ist es auch, dessen stampfender Rhythmus die Zuschauer erstmals zum kollektiven Mitklatschen animiert. Bei „Unchain my heart“ feiert dann der ganze Saal. Und dann kommt es, noch vor den Zugaben, das Lied, das allein den Besuch dieses Konzertes rechtfertigt: „With a little help from my friends“. Eine schier endlose Soundorgie und mittendrin dieser Urschrei, der Cocker berühmt gemacht hat. Er nutzt ihn in vielen Stücken, aber hier kommt er einfach am Besten zur Geltung.

Als das Licht nach gut 100 Minuten angeht, sind sich wohl alle einig: Das mit dem Ruhestand kann noch ein wenig warten, Mr. Cocker. Joe Cocker ist am Sonntag, 28. April, ab 19 Uhr in der SAP-Arena Mannheim zu sehen.

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