Ein Schritt nach vorn zur Seite

Von Nils Petter Molvaer gibt es nichts Neues. Und doch lohnt es sich – erstmals seit zwölf Jahren – mal wieder etwas genauer hinzuhören. Das auf das Jahr 1997 zurückgehende Debütalbum „Khmer“ markiert sogleich die Sternstunde des norwegischen Trompeters. Von Sebastian Hansen

 Es war ihm gelungen, seinen sphärischen, an den späten Miles Davis erinnernden Ton mit einer melancholisch verschatteten Klangwelt aus Ambient, Drum’n’Bass und Dub sowie technoiden Sounds in faszinierender Weise zu verbinden. Seitdem hat Molvaer praktisch nichts anderes getan, als in seinen Einspielungen „Khmer“ unter neuem Titel zu variieren.

Sein jüngstes Album „Hamada“, auf das die meisten der Nummern bei Molvaers Konzert zur Eröffnung des Frankfurter Festivals „Summer in the City“ und zur Premiere des neuen Orts der Jazzreihe im Park des Liebieghauses zurückgehen, ist zwar nichts anderes als eine weitere Version von „Khmer“. Doch ist den Stücken eine derartige Dringlichkeit eigen, dass sie tatsächlich endlich einmal wieder mehr als nur gepflegt wirken. Der Stilrahmen ist noch immer der gleiche, doch ist die Stimmung – zumindest auf dem Album – diesmal auf verstörende Weise düster, bis hin zu einer Anmutung von Metal-Anklängen in der Nummer „Cruel Altitude“.

Im lauschigen sommerlichen Parkambiente verliert manche Schroffheit ein wenig von ihrem Nachdruck. Es war eher eine Entspanntheit, die von der Musik ausging. Neuerlich nimmt Molvaer das Gewicht der elektronisch produzierten Teile ein wenig zurück. Die Band mit Molvaer, dem Gitarristen Eiwind Aerset und Audun Kleive am Schlagzeug tritt daher verstärkt als Trio hervor, das freilich die klassische Solostruktur des Jazz überwunden hat. Ein Schritt nach vorn, womöglich auch nur nach der Seite, auf jeden Fall aber ein produktiver.

Mal schauen, ob Nils Petter Molvaer womöglich zwölf Jahre lang „Hamada“ abwandeln wird. Interessant wäre es, ihn einmal in einem ausschließlich akustischen Rahmen zu erleben. Beispielsweise im Duo mit dem jungen Pianisten Michael Wollny. Einstweilen aber hat sich der schöne Park am Liebieghaus – obwohl ein wenig Straßenlärm eindringt – bewährt.

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