The All-American Rejects locken Massen in Batschkapp bei einziger Deutschland-Station

Schritte auf dem Weg zum Ruhm

Als das esoterische Folk-Duo Tyrannosaurus Rex 1970 erst den Namen auf T. Rex kürzte, um hernach mit der klassischen Pop-Single „Ride A White Swan“ die Charts zu erobern, lästerten viele über den kommerziellen Ausverkauf, den Frontmann Marc Bolan angeblich betrieb. In einer ähnlichen Situation befindet sich die US-Formation The All-American Rejects: Löste sich doch das Quartett um den smarten Sänger und Bassisten Tyson Ritter mit dem dritten Album „When The World Comes Down“ von der Fun-Punk-Formel zugunsten eingängigen Power-Pops. Dass dieses Konzept seine Breitenwirkung nicht verfehlt, davon zeugen die ausverkaufte Frankfurter Batschkapp – einzige Deutschland-Station der Europa-Tournee – sowie zahlreich teils weit gereiste weibliche Teens.

Mit faszinierender Bühnenpersönlichkeit und attraktivem Äußeren eignet sich der schlaksige Tyson Ritter zum Pin-up einer Jugendpostille. Aber auch ein älteres Publikum zeigt sich der aufregenden Mixtur aus Rock, Pop, Punk, New Wave, Country, Folk und Bluegrass geneigt, die The All-American Rejects in gerade mal 70 Minuten verabreichen. Sämtliche Register zieht die durch zwei zusätzliche Musiker auf Sextettstärke komplettierte Gruppe, wenn überwiegend Songs des aktuellen Albums zum Zug kommen, gemischt mit Titeln wie „It Ends Tonight“ und „Dirty Little Secret“ aus dem vorangegangenen Übergangswerk „Move Along“.

Als Musiker erstaunlich gereift, unterstreichen The All-American Rejects ihre seit der Gründung 1998 vorangetriebene Entwicklung mit einem geradezu virtuosen Akustik-Set. Wenig erinnert an die anfänglich rabaukenhafte Truppe, die sich nach einer Zeile aus dem Song „Reject“ ihrer Lieblingsformation Green Day benannt hatte. Vor allem makellos mehrstimmige Gesangspassagen verblüffen bei ins Ohr gehenden Hymnen wie „Gives You Hell“ und „The Wind Blows“.

Woher die neue Souveränität stammt, erklärte Ritter kürzlich in einem Interview, als er die Frage nach musikalischen Favoriten mit der so beeindruckenden wie unterschiedlichen Künstlerliste „Neil Diamond, AC/DC, INXS und Beatles“ beantwortete. Auch sei der deutschstämmige Ritter dem Musical nicht abgeneigt, ließ er wissen.

Verblüffende Geständnisse eines 25 Jahre alten Frontmanns auf dem Weg zu internationalem Ruhm. Den dürften The All-American Rejects spätestens mit dem noch nicht veröffentlichten vierten Album ernten. Denn die energiegeladene wie auch reichlich exaltierte Bühnenshow, die von der im Heimatland USA mit Platinauszeichnungen überhäuften Formation hierzulande noch im kleinen Rahmen präsentiert wird, lässt sich locker auf Stadien und Arenen übertragen.

FERDINAND RATHKE

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