Schwanenritter auf den Spuren eines Wanderers

Frankfurt - In Richard Wagners „Lohengrin“ setzte er einen der vokalen Glanzpunkte bei den Bayreuther Festspielen, wie sie im vergangenen Sommer keineswegs in Überzahl zu erleben waren. Von Axel Zibulski

Auf dem Grünen Hügel trumpfte Klaus Florian Vogt in der Titelpartie des Schwanenritters vor allem mit der so mühelos wirkenden, lyrisch eingefärbten Strahlkraft seines Tenors auf. Da lag es nicht ganz fern, dass sich der 41-jährige Holsteiner auch für den Liedgesang begeistert.

So bedeutete sein Liederabend in der Oper Frankfurt zwar keine Premiere, wohl aber eine der ersten öffentlichen Auseinandersetzungen mit dem Genre; Franz Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“ D 795 hatten er und sein Klavierpartner Helmut Deutsch dafür ausgewählt. Zumindest in den beiden ersten der 20 Lieder war noch deutlich eine vokale Einschwingphase auszumachen. Im Lied vom Wandern, das „des Müllers Lust“ ist, mehr noch im folgenden „Wohin?“ versagte Vogts Tenor einige Male seinen Dienst, sprach der Stimmansatz nicht an. Das ließ er Episode bleiben, auch wenn ein völliges Freisingen diese Schubert-Interpretation nicht mehr prägen sollte.

Was blieb, waren fraglos grandiose Momente. Der Müllerbursche, dessen Unbekümmertheit bald einer unglücklichen Liebe weicht, sein Weg, der zum Tod im Bett des Baches führt: Vogt sang, wo nötig und möglich, mit einer betörend reinen, klaren Höhe, mit leichten Registerwechseln und treffender Legato-Dosis, etwa im Lied vom „grünen Lautenbande“. Mit dessen Leuchtkraft konnte das drängend-dunkle Konkurrenten-Porträt des „Jägers“ nicht ganz mithalten – baritonale Untertöne sind Vogts Sache nicht. Dafür verstand er es, seine Stärken vorzüglich in Dienst des Ausdrucks zu stellen, seine klare Diktion etwa, auch das Singen mit verteilten, imaginären Rollen, so im Dialog von „Meister“ und „Mädchen“ („Am Feierabend“).

Vereinzelt wurde das Podium zu Bühne, wie überhaupt Schuberts „Schöne Müllerin“ für den erfahrenen Opernsänger eine nicht ungeschickte Wahl für die Lied-Annäherung bedeutete. Klug war es auch, mit Helmut Deutsch auf einen fast pädagogisch genauen, so detailfein wie beredt spielenden und natürlich hoch versierten Begleiter zu vertrauen. Noch liegt Vogt Wagner mehr als Schubert. Aber das kann sich ändern, und dann wird der Tenor vielleicht auch auf eine so unpassende Zugabe wie Franz Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ verzichten.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Gabi Schönemann

Kommentare