Schwedische Nachtigall mit Strauss-Faible

Helena Döse singt in Oper „Arabella“.

In Frankfurt war sie zur Gielen-Ära verpflichtet und hat die Folgen des Opernbrands 1987 aus nächster Nähe miterlebt: Helena Döse singt in Oper „Arabella“.

Jetzt kehrt die schwedische Sopranistin Helena Döse an den Ort großer Erfolge zurück, der zur zweiten Heimat des international gefragten Gesangsstars wurde – als Adelaide in Richard Strauss’ Oper „Arabella“, die Regisseur Christof Loy am Willy-Brandt-Platz inszeniert. Unter Leitung von Generalmusikdirektor Sebastian Weigle ist die aus Gelsenkirchen stammende Sopranistin Anne Schwanewilms als Arabella zu erleben, alles Spezialisten für Strauss. Auf die Premiere am Sonntag um 18 Uhr darf das Publikum gespannt sein.

An Liebes-Irrungen und -Wirrungen zieht die Strauss-Oper mit mancher Operette gleich. Döse spielt eine Gräfin, die es besonders hart trifft. Ist doch die Familie wegen der Spielsucht des Grafen finanziell am Ende. Dabei soll zumindest die ältere Tochter Arabella standesgemäß unter die Haube kommen, während sich die jüngere Zdenka aufgrund der Geldmisere als Sohn Zdenko ausgeben muss, was vertrackte Situationen heraufbeschwört.

Kein Wunder, dass Mutter Adelaide zu Beginn der „Lyrischen Komödie“ eine Kartenleserin aufsucht. Ob sie selbst abergläubisch sei? „Aber sicher“, antwortet Döse im Brustton der Überzeugung. Wie viele Bühnenakteure, die nie einen Schlüssel auf den Tisch legen würden. Außerdem stamme sie aus der Provinz Västergötland, wo die Menschen es fertig brächten, gleichermaßen gläubig wie abergläubisch zu sein, sagt sie entwaffnend lächelnd.

Von Loy ist die Schwedin hellauf begeistert, sieht ihn auf einem Niveau mit dem legendären französischen Opernmacher Jean-Pierre Ponnelle, ihrem erklärten Lieblingsregisseur. Loy lese genau die Partitur, die Musik. Und er gehöre nicht zu jenen Spielmachern, die sich eher als Bühnenbildner verstehen. Was Helena Döse einst als „Ariadne“ (ebenfalls von Richard Strauss) schmerzhaft erfahren musste. Dort stand sie nicht nur wie eine Statue in der Kulisse, sondern zudem in einem akustischen Loch ...

Am „Regisseur des Jahres“ Loy, der die Konflikte um Arabella in die 1950er versetzt, schätzt Döse zudem sein Zielstrebigkeit in Sachen Psychologie. Da ende die Geschichte zwar vorlagegemäß glücklich, doch werde sie noch weiter gedacht. Etwa dahingehend, dass sich Adelaide von dem Larifari-Grafen scheiden lassen könnte.

Warum sie so lange nicht in Frankfurt gesungen hat? Auch aufgrund ihrer vielen internationalen Verpflichtungen. Wobei ihr das italienische Repertoire neben den Richards Wagner und Strauss am Herzen liegt. Giuseppe Verdis „Aida“, mit der ihre Weltkarriere begann, ist immer noch Döses Lieblingsrolle. Und nachdem ihr Generalmanager in London gestorben war, widmete sich die schwedische Hofsängerin intensiv dem Opernnachwuchs – bei Meisterkursen in den Vereinigten Staaten und in ihrer Heimat, in Kungälv unweit von Göteborg, mit dem US-Kollegen David L. Jones und dem Pianisten Ulrich Staerk.

Sie hat viele Erinnerungen an ihrer Frankfurter Zeit, besonders an Ruth Berghaus („eine Generalin, vor der alles kuschte“) und deren revolutionäre Inszenierung von Wagners „Ring“; auch an Herbert Wernickes „Elektra“ von Strauss, nach dem Brand herausgebracht in der Alten Oper. Heute seien Regisseure zwar nicht mehr so autoritär, dennoch werde ebenso intensiv gearbeitet, glaubt die Operndiva, die mit Ehemann und zwei Söhnen in Oberursel lebt und für die physische Fitness lange Spaziergänge mit ihren drei Labrador-Hunden unternimmt. Und die ihren inneren Akku in der alten Heimat auflädt. Doch dort gebe es im Haus immer so viel zu tun, dass sie sich bald nach Frankfurt sehne.

(Klaus Ackermann)

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