Schweigen, wo nichts zu sagen ist

Wortkarg und stets ein wenig schüchtern gab sich Thomas Godoj in der fünften Staffel der Talent-Show „Deutschland sucht den Superstar“, aus der er im Mai 2008 als Sieger hervorging. Ein bisschen mehr dieser sympathischen Zurückhaltung würde ihm auch bei Live-Auftritten gut zu Gesicht stehen.

In der nahezu ausverkauften Neu-Isenburger Hugenottenhalle, wo er anlässlich seiner „Plan A Tour“ gastierte, versucht sich der Sänger aus Recklinghausen als Entertainer, allerdings ohne auch nur im Entferntesten zu unterhalten. Der gebürtige Pole nuschelt mit westfälischem Dialekt kryptische Botschaften, die, wenn überhaupt, nur eingefleischte Fans verstehen können, oder verkündet Belanglosigkeiten wie „Touren macht Bock, ne?“. Dazu lässt er mehrmals durchblicken, dass er seinen Erfolg immer noch nicht ganz fassen kann. Die Bescheidenheit, die ihm einst die Herzen zufliegen ließ, erscheint heute, neun Monate nach dem verdienten TV-Triumph und dem mit Platin ausgezeichneten Debütalbum befremdlich.

Man mag Sängern, die aus Casting-Shows hervorgehen vielleicht nicht trauen, aber Thomas Godoj ist stimmlich über jeden Zweifel erhaben. Schon bevor er durch das Privatfernsehen populär wurde, feierte er mit der Band Wink musikalische Erfolge, trat unter anderem im Vorprogramm von Adam Green auf. Seine markante Stimme weiß der 30-Jährige gekonnt zu variieren. Der erdige Grundton ist wie geschaffen für die Songs, die sich zwischen Rock und Pop bewegen und die er in englischer wie in deutscher Sprache gleichermaßen überzeugend vorträgt. Zwei Stunden füllt er, der vor wenigen Wochen erstmals Vater wurde, mit den Stücken seines Albums, unveröffentlichten Kompositionen und Cover-Versionen wie „Chasing Cars“ von Snow Patrol. Besonders gelungen ist die Verrockung der Beatles-Ballade „Let It Be“.

Längen entstehen, weil die eigenen Titel häufig ähnliche Instrumentierungen aufweisen. Balladen wie „I Don’t Feel The Same” mit denen der gebürtige Pole seine „romantische Seite” hervorkehrt, sind schön anzuhören, haben aber nur einen geringen Wiedererkennungswert. Die Hit-Single „Love Is You“, die nach Veröffentlichung in Deutschland, Österreich und der Schweiz direkt auf Platz eins der Single-Charts schoss, hebt sich Thomas Godoj bis zur Zugabe auf. Mit „Helden gesucht“ schließt das Konzert unter riesigem Beifall. Mehr eingängige Stücke wie diese wünscht man sich für diese außergewöhnliche Stimme. Und ein bisschen mehr Schweigsamkeit, wenn es zwischen den Titeln eigentlich nichts zu sagen gibt.

ANKE STEINFADT

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