Schweißfreie Unterhaltung aus Belgien

An Milow ist alles flockig und wohllaunig. Seine Musik, seine Erscheinung und sein Auftreten, ja selbst sein gelegentlicher Hang zur Melancholie wirken aufgeräumt. Von Stefan Michalzik

Der 27-jährige belgische Kahlkopf, der eigentlich Jonathan Vandenbroek heißt, stellt sich gemeinsam mit seiner Band und der akustischen Gitarre auf die Bühne der Neu-Isenburger Hugenottenhalle und erzählt Geschichten, ganz im Sinne des klassischen Singer-/Songwritertums.

Wo ich herkomme, da gibt es keine Berge: Zu Beginn gibt sich der Senkrechtstarter des Jahres 2009 heimatverbunden. Genauer gesagt sogar patriotisch. „Dieses Königreich ist immer noch mein Königreich.“ Ein Deutscher hätte für ähnliche Äußerungen gleich eine hässliche Debatte am Hals. Freilich muss man dem Flamen nicht unbedingt nationalistische Motive unterstellen. Seine Songzeilen lassen sich durchaus auch im Sinne eines Reflexes auf die vor allem wirtschaftlich motivierten Konflikte zwischen flämischen und wallonischen Volksgruppen auslegen.

Eine Scheu vor der triefenden Schnulze, wie im gemeinsam mit der Hintergrundsängerin Nina vorgetragenen Duett „Out Of My Reach“, kennt Milow nicht. Er erweckt den Eindruck, er erzähle einfach von den Dingen, die ihn bewegen – und das kann durchaus auch mal ein Mordfall sein, dessen Opfer er kannte.

Der rhythmisch meist beschwingte Softpop hinterlässt garantiert keinen Kater. Milow, dessen Klangbild, vergleichbar mit dem des Amerikaners Jack Johnson, bisweilen mit ein wenig Country durchsetzt ist, kann für sich beanspruchen, ein Meister des zuckergussfreien Leichtgewichts zu sein.

In einem fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere mag es sich womöglich herausstellen, dass ausgerechnet die ausgefuchst simple quasi-akustische Version der Rapnummer „Ayo Technology“ von 50 Cent „sein“ bester Song bleiben wird. Mit der Nummer erweist sich Milow als veritabler Stimmungsmacher. Völlig schweißfrei natürlich.

Rubriklistenbild: © dpa

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