Schweißtreibendes Minimalprinzip

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Miss Kittin & The Hacker live im Schlachthof Wiesbaden.

Treibende Beats und eine bezaubernde Stimme beflügelten das Publikum im Schlachthof Wiesbaden: Miss Kittin & The Hacker stellten ihre neuen Sounds live vor, die Dancebeats und harmonische Lyrics kombinieren. Von Holger Strehl

Die letzten Frühlingssonnenstrahlen verließen den Abendhimmel, als Miss Kittin & The Hacker unter großem Beifall die überschaubare Bühne der kleinen Halle betraten. Der Schlachthof Wiesbaden ist mittlerweile ein Garant für perfekte Atmosphären bei Live-Veranstaltungen.

Miss Kittin

Das französische Elektro-Duo hat das Genre „Elektroclash“ vor gut zehn Jahren aus dem Boden gestampft. Damals noch in Kinderschuhen war der Sound der Franzosen erst mal fremd und dennoch ansprechend. Sie verabschiedeten sich von den klassischen Strukturen der Tanzmusik und öffneten sich für Songwriting á la Synthipop der 80er. Diese Idee haben Miss Kittin & The Hacker weiterentwickelt und perfektioniert. Das aktuelle Album „Two“ beweist eindrucksvoll, dass Dancebeats und harmonische Lyrics, bestückt mit Ohrwurm-Refrains, durchaus funktionieren und trotzdem tanzbar bleiben.

Passend zu den Minimalsounds war die Bühnendekoration schlicht. Lediglich eine kleine Leinwand zierte den wenig freien Raum hinter der Frontfrau. Während The Hacker recht zurückhaltend an seinen Klangstrukturen fummelte, war Miss Kittin eindeutig die Person, auf die sich der Fokus des Publikums richtete. Nicht nur, weil ihre Stimme so entzückend weich und sanft klang, vielmehr war es die verführerische Ausstrahlung der jungen Französin, die die Besucher in ihren Bann zog. Das Set war ausgeglichen und umfangreich. Selbstverständlich bestimmten zu Beginn die neuen Songs das Geschehen. „1000 Dreams“ gehörte als drittes Lied des Abends zu denen, die am besten ankamen. Fast sämtliche Tracks des neuen Albums wurden perfekt inszeniert. Die alten Kracher, wie zum Beispiel „Frank Sinatra“, sorgten gegen Ende für einen befriedigenden und schweißtreibenden Ausklang. Das Konzept des Minimal-Prinzips ging auch live perfekt auf. Trotz fehlendem Bombast und klein gehaltener Show gelang Miss Kittin & The Hacker ein eindrucksvolles Konzert, bei dem es an nichts fehlte.

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