Schweres Geschütz

Frankfurt - Wenn eine vom Nischenpublikum geschätzte Formation in die Pop-Oberliga aufsteigt, bleiben Kollateralschäden nicht aus. Eingebüßt hat das für Konzerte zum Quartett erweiterte US-Trio Gossip um die sagenumwobene Frontfrau Beth Ditto nicht nur das „The“ im Namen, sondern auch ihre Unschuld. Von Ferdinand Rathke

Zum Auftakt der Deutschlandtournee residieren die Pop-Überflieger standesgemäß in Frankfurts Nobelherberge Villa Kennedy. Als Beth Ditto in Sektlaune im hautengen, geschlitzten Leopardenkleid die glamourös aufbereitete Bühne der Jahrhunderthalle erklimmt, um zum Auftakt „Vertical Rhythm“ anzustimmen, halten sich Faszination und Voyeurismus die Waage.

Artig bedankt sich die Bambi-Gewinnerin 2010 nach jedem Lied in akzentfreiem Deutsch. Als könne sie das Interesse an ihrer Person nicht ganz erklären, hält sie immer wieder inne, juchzt, stimmt persönliche Lieblingssongs an und tanzt erstaunlich grazil. Eine Hymne auf Frankfurt darf nicht fehlen: „Milch und Fleisch“. Derweil zupft der baumlange Gitarrist und Keyboarder Brace Pain alias Nathan Howdeshell messerscharfe Riffs. Schlagzeugerin Hannah Blilie wiederum setzt mit burschikosem Äußeren Kontraste, wenn sie herrlich archaisch trommelt.

Von Modezar Karl Lagerfeld zur Muse ernannt, weiß der „Darling der Stunde“ genau, was zu tun ist, um Aufsehen zu erregen. Mit strapazierfähigem Stimmvolumen röhrt sich Ditto in knappen 80 Minuten durch frühe Fan-Favoriten wie „Listen Up“ und „YR Mangled Heart“ sowie das ähnlich gestrickte Material des Hitalbums „Music For Men“. Im Gepäck führen Gossip die Gay-Rights-Hymne „Standing In The Way Of Control“ und natürlich „Heavy Cross“. Herzblut gibt Ditto, wenn sie beim Gang durchs Publikum Whitney Houstons Kitschballade „I Will Always Love You“ anstimmt.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare