Bewegte Rockskulptur

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Nicht auf den Wind des Wandels hören, sondern immer rocken wie ein Hurrikan: Rudolf Schenker und Matthias Jabs (r.)

Frankfurt - Wenn Außerirdische wissen wollten, was Rock’n’Roll ist, hat James Kottack, der Schlagzeuger der Scorpions einmal gesagt, müsse man ihnen nur – na, wen wohl? - die Scorpions vorspielen. Schon recht. Von Sebastian Hansen

Einige Namen, die sich zwingender aufdrängen, Motörhead etwa, würden einem da freilich eher einfallen. Die Mär von der Abschiedstournee, die Scorpions hatten 2010 damit aufgewartet, nimmt man auch keinem mehr ab. Die Scorpions sind also wieder unterwegs, unter dem Signum „The Last Sting“ gastierten sie in der Frankfurter Festhalle.

Das Album „Comeblack“, das sie mit sich führen, ist eine Sammlung aus Neueinspielungen einiger ihrer Hits sowie Coverversionen von Popklassikern wie etwa Gloria Jones’ durch Soft Cell zu Ruhm gebrachtes „Tainted Love“. Von den Fremdnummern spielten sie im Konzert keine, dafür aber zuverlässig die Hits.

Sie haben einfach immer weitergemacht

Der Abend war so überraschungslos wie die gesamte – rechnet man die Vor- und Frühzeit in der Beatära ab – vierzigjährige Geschichte der Scorpions. Die Band um den Sänger Klaus Meine und den Gitarristen Rudolf Schenker hat einst den Metal für den Mainstream und auch das Popradio kompatibel gemacht, nicht zur allseitigen Freude in Metalkreisen. Als deutsche Band sind sie musikalisch nicht erkennbar, ihre immensen Erfolge waren konsequenterweise auch internationale.

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Sie haben einfach immer weitergemacht, auch nachdem die Phase ihrer größten Erfolge von den späten siebziger bis zu den frühen neunziger Jahre vergangen ist. Anders als die Rolling Stones haben sie allerdings, abgesehen von einem missglückten, eines zeitweiligen Karriereknicks geschuldeten Versuch der Anpassung an den damaligen Zeitgeist, jeglichen Wandel verweigert.

Keine maskuline Geste lassen sie aus

Die Show der Hannoveraner würde ebenso gut als Parodie durchgehen. Ein Hochamt der Breitbeinigkeit, keine maskuline Geste lassen sie aus: Klaus Meine hält den Mikrofonständer stetig in einer Ungebärdigkeit symbolisierenden Schräglage. Die Choreographie des Gitarrenrockballetts ist stilisiert. Im Lauftempo eilen die Musiker immer wieder entweder an eine Bühnenseite oder zur Spitze des in den Zuschauerraum geschlagenen Laufstegs, um sich dort zu einer bewegten Rockskulptur zu formieren. Es kommt anständig Pyrotechnik zum Einsatz, besonders natürlich zur Inszenierung des pompösen Auftakts und Finales.

Irgendwann ist die Zeit der Soli da. James Kottack gebärdet sich eingehend als das Tier am Schlagzeug; Rudolf Schenkers Gitarrengniedelei nimmt sich dagegen kompakt aus. Auch unter einer Anschauung als Kabarettnummer erscheint das alles nur mäßig amüsant. Man kennt es einfach zu gut.

Die Fans, meint Klaus Meine, der Ende dieses Monats 64 wird, sind natürlich in Frankfurt besonders Klasse – und überhaupt falle der Abschied schwer, wenn man so tolle Fans habe. Was man eben so sagt bei Konzerten. Mit einem Funken Wahrheit dann wohl doch. Wer über hundert Millionen Alben verkauft hat, dürfte auf’s Geldverdienen nicht mehr angewiesen sein. Er kann wohl einfach nicht von der Bühne abtreten. „The Last Sting“? Wohl kaum. Demnächst wieder in der Halle Ihres Vertrauens.

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