Seelenschau im Sound-Stakkato

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Trieb die Fans zu Höchstleistungen an und andersherum: Metallica-Frontmann James Hetfield, wie er leibt und lebt.

Metallica zurück in der Festhalle: Schneller, kraftvoller und lauter als je zuvor – und 12000 Fans geraten in Ekstase: Was Hetfield, Ulrich, Hammett und Trujillo in der seit Monaten ausverkauften Frankfurter Gut Stubb abliefern, verdient das Prädikat gewaltig. Von Holger Borchard

Mehr als zwei Stunden lang schleudert die Band die Phon gewordene Urkraft nur so um sich.

Der Großangriff auf die Lausch-Lappen der Headbanger erfolgt diesmal nicht frontal: Die Bühne beherrscht das Zentrum der Halle. Sie ist riesig, aber praktisch von allem frei gehalten, was nichts mit Musik zu tun hat. So können sich James Hetfield & Co in alle Richtungen austoben, und die Fans erleben im Laufe des Abends jedes ihrer Idole zum Greifen nahe.

Dem Bandnamen alle Ehre macht die Furcht einflößende Konstruktion über der Bühne. Dort hängt so viel Metall, dass man meinen könnte, ein Raumschiff setzt zur Landung an. Gigantische Watt-Schleudern ragen wie Tentakel in den Saal, überdimensionierte Särge – angelehnt ans Cover des aktuellen Albums „Death Magnetic“ – verbergen die Technik einer Lasershow. Die entfaltet gleich zum Opener „That Was Your Life“ ihre ganze Pracht.

Das Rezept für den Rest des Abends ist simpel: „Ihr gebt alles, wir geben alles“, bestimmt Hetfield, und genau so kommt’s. Die Fans gehen vom Einzug der Matadoren zu „Ecstasy Of Gold“, das von je her jedes Metallica-Konzert eröffnet, bis zum letzten Kracher „Seek And Destroy“, bei dem Ballons von der Decke segeln, begeistert mit.

Das motiviert die vier Kalifornier erst so richtig: „Frankfurt, we love you“, greint Hetfield. Lars Ulrich malträtiert die Double-Bassdrum, die Gitarristen Hetfield und Hammett markieren ihr Bühnen-Revier, und Rob Trujillo gibt den grimmigen Bassisten. Die Menge johlt, klatscht und schwankt, dass die Ordner alle Hände voll zu tun haben. Der tausendstimmige Chor kennt alle Lieder und erlebt bei Klassikern wie den von Feuersäulen flankierten „One“ und „Master Of Puppets“ und natürlich bei der Feuerzeug-Ballade „Nothing Else Matters“ grandiose Momente.

Nicht wenige sehen im aktuellen Album und der „World Magnetic Tour“ Metallicas Rückkehr zu den Tugenden der 80er-Jahre. Dafür sprechen nicht nur die opulent-verschnörkelten neuen Stücke, von denen es gerade mal „My Apocalypse“ unter sechseinhalb Minuten schafft, sondern vor allem der Druck, mit dem diese live rüber kommen. „Schnell oder langsam“, fragt Hetfield – die Antwort ist klar. Bevor die Band „Broken, Beat & Scared“ raus hämmert, widmet Hetfield den Song allen, die mit Problemen kämpfen – und schlicht der ganzen Metallica-Familie. „Familie“ ist diesmal sein Lieblingswort – verpackt in ein Stakkato um Tod, Krieg, Selbstmord oder Apokalypse legt da jemand ein Stück seiner und der Metallica-Seele frei. „Ihr kommt durch alles durch – mit der Hilfe von Freunden, der Familie – und Musik.“

Der letzte Ton ist verklungen, das Licht längst an, doch die Vier bleiben Minuten lang auf der Bühne, schütteln Hände, lachen und verteilen Andenken. Auch das ist Metallica wie eh und je.

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