Sehnsucht in rauer Schale

Der Singer/Songwriter ist auch nicht mehr das, was er mal war. Zum Beispiel ist er nicht unbedingt Hippie, wie es die Gründerväter der Emanzipation des Songschreibers vom ausschließlich vortragenden Sänger in den Sechziger Jahren gewesen sind. Die Reihe „Songwriters on Stage“ in der Frankfurter Romanfabrik ist darauf bedacht, bisher eher im Halbschatten wirkende Künstler ins Licht zu setzen. Von Stefan Michalzik

Sehr amerikanisch geprägt – und teilweise in den USA aufgewachsen – ist der in Hamburg lebende Claas P. Jambor. Seine von Seelenpein kündenden Lieder sind vor allem der Schönheit verpflichtet. Einen besonderen Reiz verleiht ihnen Jambors immer wieder weit in die Höhen ausgreifende Stimme. Kein Wunder, dass seine vier Oktaven auf den Bühnen von Musikern wie Xavier Naidoo für den Hintergrund gefragt sind. Die Gitarrenbegleitung ist sparsam, der Gesang mitunter wunderbar räudig.

Noch ganz am Anfang steht die junge Frankfurterin Jennifer Plater, deren mutiger und sympathischer Auftritt zeigte, dass sich ein Weiterarbeiten lohnen könnte. Nicht mehr jung, dafür lebensernüchtert und schnodderschnäuzig ist die Berlinerin Vanessa Maurischat. Bei ihr handelt es sich nicht um eine Singer/Songwriterin im eigentlichen Sinne. Sie steht in der Tradition des Kabarettchansons. Maurischat gibt sich als Des illusionierte mit handfesten Weisheiten in den Conferencen, die mindestens ebenso viel Raum einnehmen wie die Lieder, in denen sie von den hinter der rauen Schale steckenden Sehnsüchten spricht. Handwerklich ist das ohne Fehl; die Frau weiß, wie man ein Publikum von der ersten Minute an auf seine Seite bringt. Ein Problem hat sie freilich ironisch pointiert selbst angesprochen: Sie ist nicht die erste, die so etwas macht. Das ist man zwar in aller Regel nirgendwo. Aber auf einem derart intensiv beackerten Feld muss man schon Besonderes bieten, um aus der Masse hervorzustechen.

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