Im Seifenblasen-Regen

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Wieder obenauf: Pur-Sänger Hartmut Engler hat offenbar seine Lebenskrise überwunden.

Lange haben die Fans darauf warten müssen. Doch als es soweit war, schien es so zu sein wie immer: Lieder, die aus tausenden Kehlen mitgesungen wurden, ein rhythmisch wogendes Meer aus hochgestreckten Armen und Partystimmung. Von Dirk Iding

Auf ihrer „Wünsche“-Tour 2009 meldet sich die Band Pur mit ihrem Frontmann Hartmut Engler nach dreijähriger Abstinenz eindrucksvoll zurück.

Und die Fans in der seit langem ausverkauften Frankfurter Festhalle gingen von Anfang an begeistert mit – angetan von einer beeindruckenden Bühnenshow mit zahllosen Effekten und angefeuert von einem Hartmut Engler, der sich nach einer tiefen Lebenskrise mit Abstürzen in Alkoholexzesse und Depressionen wieder in Bestform präsentierte: als wahre „Rampensau“ auf einer Bühne, die mitten in der ausgelassen feiernden Menschenmenge platziert war. Ein Sänger, der sich an seinen Liedern und vor allem an seinem Publikum berauschen kann und dem es augenscheinlichen Spaß machte, mit seinen Fans zu spielen, sie den „Engler-Chören“ gleich zu dirigieren.

Phänomen Pur hautnah erlebbar

Auch bei ihrem neuen Album „Wünsche“, das sofort nach Erscheinen an die Spitze der deutschsprachigen Charts kletterte, setzen Pur auf die bewährte Mischung aus eingängigen Melodien, Herz, Schmerz und ein wenig Zeitkritik. Man mag das Mainstream schimpfen, aber wenn tausende Fans bei einem Konzert fast jede Zeile selbst der neueren Lieder mitsingen können, dann gehen auch Kritikern irgendwann die Argumente aus.

In der Festhalle war das Phänomen Pur hautnah erlebbar: Diese innige Verbindung zwischen Band und Fans, die da über nunmehr drei Jahrzehnte gewachsen ist und die natürlich ganz besonders zum Tragen kam, wenn Pur in ihre musikalische Schatzkiste vergangener Tage griffen. Bei Songs wie „Prinzessin“ oder „Funkelperlenaugen“ schmolz die Menge dahin, bei „Lena“ explodierte sie. Und dann gab es auch noch die wunderschönen Gänsehautmomente, etwa bei „Wenn sie diesen Tango hört“.

Mitunter geriet das Ganze aber auch nahe an die Kitschgrenze, etwa als Engler zum Abschluss den Titelsong „Wünsche“ mit Zeilen wie „Ich wünsch’ mir für die Krankenschwester mehr Lohn und mehr Dankbarkeit. Sie pflegt Euch, Ihr Nadelstreifenherrn ...“ im pinkfarbenen Seifenblasen-Regen intoniert. Gleichwohl fühlte sich das Publikum offensichtlich über zweieinhalb Stunden von Pur bestens unterhalten. Das Warten hat sich für die Fans gelohnt...

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