Seltenes Saitenspiel

Ein Klavierkonzert auf einer Harfe zu spielen – das ist mindestens Geschmackssache. An der Qualität des Saitenspiels durch den Harfenisten Xavier de Maistre sollte beim letzten Freiluft-Konzert des Rheingau Musik Festivals freilich kein Zweifel bestehen. Von Axel Zibulski

Schließlich ist er Solo-Harfenist der Wiener Philharmoniker – und er sorgte 2002 als erster überhaupt dafür, dass der Traditions-Klangkörper ein solistisches Harfenkonzert aufführt.

Im Kreuzgang von Kloster Eberbach waren es jetzt die Festival Strings Lucerne, die dem Solisten in dessen eigener Bearbeitung von Joseph Haydns Klavierkonzert Nr. 11 D-Dur Hob. XVIII:11 zur Seite standen. Insoweit hatte de Maistre freilich einige künstlerische Abstriche gegenüber seinem vertrauten Wiener Philharmoniker-Umfeld in Kauf zu nehmen.

Stumpfe Streicher

Es lag sicherlich nicht nur an der trockenen Freiluft-Akustik, dass die schlank besetzten Streicher ziemlich stumpf, flach und vor allem monochrom klangen. Brüsk und auch nicht immer zuverlässig blieben die knappen Bläsereinsätze – immerhin sorgte Dirigent Achim Fiedler für eine gute Feinabstimmung mit Xavier de Maistre, der Haydns schlanken, kaum von Akkorden durchsetzten Klaviersatz übrigens weitgehend unverändert für seine Harfe übernehmen konnte.

Mozarts konzise, frühe Sinfonie Nr. 10 G-Dur op. 74 in der zweiten, französischer Neoklassizismus in der ersten Konzerthälfte: Mit Albert Roussels Sinfonietta für Streichorchester hatten die Gäste aus Luzern das Konzert unaufgeregt eröffnet, die „Symphonie d’archets“ von Jean Françaix passte mit ihrem Bemühen um Originalität zu dem eher lauen Sommerabend.

Für eine kleine Sternstunde dazwischen sorgte wiederum Xavier de Maistre mit seiner so luftigen wie filigranen Interpretation zweier Tänze für Harfe und Streicher von Claude Debussy.

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