Shakespeares Paare besingen die Liebe

Kein Dramatiker hat so viele Komponisten inspiriert. So war „Shakespeare in Opera“ ein reizvolles Thema für eine Operngala, die sich in wohltuender Weise vom üblichen Sammelsurium an Bravourarien abhob. Sopranistin Annette Dasch, ihr kanadischer Tenorpartner Joseph Kaiser und die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Christoph Poppen beschränkten sich auf vier Opern.

Poppens Moderation erleichterte das Verständnis.

Als archetypische Paare standen außer Othello/Desdemona und Romeo/Julia auch Béatrice und Bénédict im Mittelpunkt. Das Liebespaar aus der gleichnamigen Oper von Berlioz machte den Anfang. Im Dialog „Comment le dedain“ wetzten die Sopranistin und der Tenor aufs Vergnüglichste die Zungen — sie mit schnippischer Bissigkeit, er mit beträchtlichem komischem Talent den heldischen Don Juan heraus kehrend. In der Szene „Dieu! que viens je d’entendre“ ließ die Sängerin die stolze Schöne dank einer Traumvision ihre Liebe entdecken. Sie sang zärtlich bis leidenschaftlich, unangestrengt in der Höhe, auch im Forte nie hart. Nicht nur ihr warmer, lichter Sopran, auch Kaisers schlanker Tenor verströmte französischen Schmelz. Beide Stimmen fügten sich im Duett wunderbar harmonisch zusammen Die Künstler waren auch darstellerisch stimmige Partner. Ihr schauspielerisch verdeutlichender Vortrag wirkte natürlich und nicht aufgesetzt.

Tragischer Gegensatz zu dieser Liebesgeschichte war der Othello-Stoff in der Version Verdis und Rossinis. Desdemonas Szene aus dem vierten Akt der Verdi-Oper gestaltete Annette Dasch fein differenziert, vor allem mit leisen Tönen sehr berührend. Auf vortreffliche Weise, sensibel und präzise, wurde sie von Orchester und Solisten unterstützt. Hier hielt Poppen das Ensemble zurück, was bei den Berlioz-Nummern wegen der üppigen, in seiner Farbigkeit allerdings brillant präsentierten Instrumentation nicht immer optimal gelang.

Ganz anders als Verdi, sanglich und gefällig, hatte Rossini rund 70 Jahre zuvor die Szene gestaltet, entsprechend der anderen Auffassung der Desdemona in seinem „Otello“. So innig wie Daschs Interpretation des von der Harfe begleiteten Weidenlieds, so scheinbar mühelos, natürlich fließend klangen die Koloraturen, und so organisch glitt sie von der lyrischen in die dramatische Stimmung.

Das Programm endete französisch mit Auszügen aus Gounods „Roméo et Juliette“. Nach Herzenslust, doch stets geschmackvoll, konnte Kaiser als Liebhaber schmachten. In den Duetten aus dem zweiten und vierten Akt gab die Sopranistin eine innig zarte Julia. Trotz allem Schmelz vermieden die Musiker die Gefahr der Süßlichkeit. Ein rührender Höhepunkt war die Abschiedsszene der Liebenden. Als Zugabe kamen nochmals Othello und Desdemona zu Wort. EVA SCHUMANN

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