Shantel im Amphitheater Hanau

Weltoffen und mit Wumms

Hanau - Die Sache läuft und läuft und läuft. 2002 hat der als Shantel firmierende Frankfurter DJ und Produzent Stefan Hantel nach einer Reise ins rumänische Czernowitz, der Heimatstadt seiner Großeltern, im Glasfoyer des Schauspiels erstmals den Bucovina Club steigen lassen. Von Stefan Michalzik

Der Erfolg der Partyreihe zog schnell international Kreise, bald veröffentlichte Shantel eigene Alben, für die Konzerte gründete er das Bucovina Club Orkestar. Jede Trendwelle ist irgendwann durch - siehe Kuba oder Indien. Shantel aber ist mit dem Balkan-Beat weiter erfolgreich unterwegs, zum jüngsten Konzert mit dem Bucovina Club Orkestar ist das Hanauer Amphitheater - nicht bestuhlt, schließlich hat man es mit einer Tanzveranstaltung zu tun - ansehnlich gefüllt gewesen.

Das jüngste Album „Anarchy + Romance“, es ist im vergangenen Jahr erschienen, ist recht nuschelig geraten, die Produktion klingt weitreichend ungewohnt trashig. Das Rezept ist praktisch unverändert, es handelt sich um eine ungezwungene Verschneidung von volksmusikalischer Herzhaftigkeit und Tanzboden-Wumms, mit einer Offenheit für Fermente aus aller Welt; Shantel wiederholt sich selbst. Im Konzert aber verfängt das nach wie vor, der Kracher unter den Novitäten ist eine Fassung des Larry-Williams-Klassikers „Slowdown“, der auf seine gänzlich andere Weise der mitreißenden Version von den Beatles an Druck wenig nachsteht.

Die Show ist satt, der Sound ungemein drall

Hervorstechend sind in dem Sextett natürlich die geschwinden, schneidend präzisen Bläser (eine Posaune, zwei Trompeten); Shantel, der auch Gitarre spielt, ist kein auratischer Sänger und als solcher schon gar nicht zu vergleichen mit dem kehligen Stimmen vom Balkan, da kommt die Keyboard spielende Tea Mikic in ihren Gesangsnummern weitaus präsenter rüber. Tut der Angelegenheit aber kaum Abbruch, die Show ist satt, der Sound ungemein drall, alles geht nach vorne.

Keine Spur von der gewissen Behäbigkeit manch eines Produkts der sogenannten Weltmusik - die Mischung von Tradition und Moderne, Ost und West zielt ohne Wenn und Aber auf die Tanzfläche, es geht um die Party von der ersten bis zur letzten Minute. Kaum einmal wird das hohe Tempo ein wenig zurückgenommen. Mal basiert eine Nummer auf einem Basssaiten-Riff nach Art des Rhythm’n’Blues, überhaupt ist alles geschickt zusammengeklaubt. Die Dramaturgie ist wirkungsvoll, als Showmann ist Shantel fraglos ein Souverän, es gibt keinen Spannungsabfall den ganzen Abend über.

Shantel eröffnet die neue Batschkapp

Shantel eröffnet die neue Batschkapp

In der Hitnummer „Disko Partizani“ unterbricht die Band mittendrin und das Auditorium ruft den Refrain im Chor. Ringelpietzige Animationen - alle gehen in die Hocke - gibt es auch. Süffigkeit ist die alleinige Maxime, in einer ausgefuchsten Weise wird sie erreicht. Die Hipster von einst, um die Vierzigjährige bestimmen das Bild, sind mit dieser Musik älter geworden und ihr treu gebieben. Wie von gestern wirkte dieser überschäumend beschwingte Abend mit der funky Polka gleichwohl nicht.

Rubriklistenbild: © Paul

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