Viel Altbekanntes und wenig Neues erklingt bei Peter Maffays Bühnenjubiläum in der Festhalle.

Sieben Brücken

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Mit dem Motorrad donnert Peter Maffay auf die Bühne in Frankfurts guter Stube.

Angesichts von Peter Maffays 40-Jahre-Bühnenjubiläum erhält das Wort Superlative eine neue Dimension: Unter dem Titel „Tattoos“ und im Gespann mit dem Philharmonic Volkswagen Orchestra wirft das 61 Jahre alte Rock-Idol mehrerer Generationen den Blick zurück – und verkauft die Frankfurter Festhalle zweimal aus.

Zum Auftakt sitzt der „Steppenwolf“ allein mit Klampfe unterm Arm. Für Überraschungen hatte Maffay immer etwas übrig. Als er Minuten später muskelbepackt in Weste, Jeans und Cowboystiefeln auf einer Harley über die Hauptbühne donnert, setzt er noch einen drauf, wenn er mit seit Jahren in identischer Besetzung bestehenden Formation im Rücken über „Schatten in die Haut“ singt, die „Sonne in der Nacht“ beschwört und ihm „Kein Weg zu weit“ ist.

Der mit vierter Frau und Kleinkind Yaris am Starnberger See und auf Mallorca lebende Veteran redet seine Fangemeinde gern mit Worten wie „Liebe Froinde“ an. Ein Umstand, dem die riesige Designerbühne mit allerlei Hightech-Effekten und Gerüst für das Orchester Rechnung trägt. Maffay startet moderat – auch wenn die Paarung bei in Überlautstärke Gerocktem nicht recht passt. Ausgerechnet bei den Schlagererinnerungen „Es war Sommer“, „So bist du“ und „Du“ geht die Addition Band plus Orchester plötzlich auf.

Dass er sein Image als Schweiger leid ist, unterstreichen launige Ansagen, die Maffay leicht von den Lippen kommen. Im Reißverschlussverfahren serviert die mit Bassist Ken Taylor, Schlagzeuger Bertram Engel, Keyboarder Jean-Jacques Kravetz sowie den Gitarristen Carl Carlton, Pascal Kravetz und Peter Keller besetzte Mannschaft viel Bekanntes: „Eiszeit“, „Bis ans Ende der Welt“ und „Sieben Brücken“ verzücken, ebenso ein Akustik-Set mit Blues-Harp-Talent Chris Kramer und wechselnden Begleitern.

Je später der Abend, desto mehr gewinnt der 1,68 Meter kleine Unterhalter an Intensität. Etwa, wenn er tief im Archiv wühlt und Schlager der 70er wie „Josie“ hervorzaubert. Ein Medley mit Favoriten der Band hebt die Stimmung. Wann bekommt man schon Robert Palmers „Addicted To Love“, Golden Earrings „Radar Love“ und Elton Johns „Saturday Night’s Alright (For Fighting)“ auf einmal serviert. Klassisch geht die Jubiläumsfeier zu Ende mit „Nessaja“, einem Ausschnitt aus Maffays Märchen „Tabaluga“. F. RATHKE

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