Sinfonisches Bergpanorama

Die Zusammenarbeit muss herzlich gewesen sein: Jeder Musiker an den ersten Pulten der Jungen Deutschen Philharmonie wurde von Lawrence Foster ausgiebig umarmt, und selbst der Weg zum ersten Kontrabassisten war dem Dirigenten auf dem Podium der Alten Oper Frankfurt nicht zu weit. Von Axel Zibulski

Zuvor hatte die Junge Deutsche Philharmonie unter der Leitung des 1941 geborenen Amerikaners die großformatige Tondichtung „Eine Alpensinfonie“ aufgeführt; Solist im ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms war davor der junge französische Pianist Jonathan Gilad gewesen.

Nur eine Episode blieb der leicht verwackelte Einstieg in die „Nacht“-Sphären am Anfang der „Alpensinfonie“. Das von Richard Strauss um den Beginn des Ersten Weltkriegs komponierte und samt Einsatz von Kuhglocken, Orgel und Donnerblech opulent orchestrierte Werk war in seiner tönenden Herzhaftigkeit bestens ausgeleuchtet. Die Streicher wirkten angemessen wandlungsfähig, gleißend hell in der Wasserfall-Szene, satt und voluminös am Gipfelpunkt dieser auskomponierten Bergwanderung. Die Gewittermusik jedenfalls hat man selten so entfesselt gehört wie in der Interpretation durch die Junge Deutsche Philharmonie, deren Blechbläser nicht nur in den Fernorchester-Passagen zu Beginn tadellos klangen: Am Ende also verständliche Umarmungen durch den Dirigenten und als Zugabe das Vorspiel zu Richard Wagners drittem „Lohengrin“-Akt.

Der Pianist Jonathan Gilad hatte sich zu Beginn mit dem ersten Impromptu von Frédéric Chopin für die mit kaum weniger starkem Beifall bedachte Interpretation des ersten Klavierkonzerts d-Moll op. 15 bedankt. So stark Foster und die Junge Deutsche Philharmonie den sinfonischen Charakter des Konzerts unterstrichen – dank seinem gehärteten, äußerst tragfähigen Anschlag konnte sich Gilad auch in den dichten akkordischen Passagen der Ecksätze durchsetzen. Seine brillante Technik erlaubte dem 1981 in Marseille geborenen Künstler aber auch ein entspannt gesangliches Spiel im mittleren Adagio – markant auftrumpfende, zupackende Momente eingeschlossen und stets in guter Ausgewogenheit mit der Jungen Deutschen Philharmonie.

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