Sinfonisches Heldentum aus italienischer Hand

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Farbenfrohes Kostüm, konservativer Ansatz: Pianistin Mitsuko Uchida

Ein Herz fürs deutsche Repertoire zeigte das in Großbesetzung angetretene Orchestra Dell’Accademia Nazionale Di Santa Cecilia bei seinem einzigen Deutschland-Gastspiel in der Alten Oper Frankfurt. Von Klaus Ackermann

Beethoven und Richard Strauss waren Stationen eines Konzertabends, der den Sinn für üppig farbigen Klang wie fürs Theatrale der italienischen Sinfoniker bezeugte, die Chefdirigent Antonio Pappano zwingend auf Kurs brachte. Als Wegweiser in die Romantik ließ sich Ludwig van Beethoven feiern, dessen Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur Mitsuko Uchida, große Dame der Tastenkunst, auf den Grund ging.

Beethoven ist der in England wirkenden japanischen Pianistin ein Anliegen, dabei konservativer zu Werke gehend, als das ihr farbenfroh modisches Äußeres signalisiert. Die einleitenden Es-Dur-Akkorde tönen markant, die Läufe und Arpeggien verschwimmen im Pedaldampf, dann gibt es wiederum wunderschöne lyrische Momente im wie kristallin wirkenden Klavierklang, die sinfonische Ausrichtung dieses Konzerts gefühlvoll hinterfragend. Wie aus einer anderen Welt scheinen die traumverlorenen Begleitpassagen des orchestralen Adagio-Gesangs, gespenstisch ist der Übergang zum robusten Rondo, dessen stählerne Oktav- und Akkordgänge freilich eher zurückgenommen werden. Ein Beethoven ohne cholerische Selbstäußerung, dafür von außerordentlich variabler Anschlagskunst, die noch in der Sarabande aus Johann Sebastian Bachs Französischer Suite Nr. 5 G-Dur nachwirkt: Zeit für Empfindsamkeit.

Römische Sinfoniker sind in ihrem Element

Hat der temperamentvoll Santa Cecilia ermunternde Pappano den Beethoven in breitem klanglichen Fluss gehalten – was hier zu Lande schon etwas altmodisch anmutet –, so zieht er im „Heldenleben“ des Richard Strauss, das dieser übrigens 1899 in Frankfurt selbst uraufführte, viele orchestrale Register für ein Drama in sechs Akten mit Happyend.

Der Held im selbstbewusst aufstrebenden Bläser-Thema, seine Widersacher in meckernden Flöten- und Klarinettentönen, als sei der Komponist von keifenden Kritikern eingekeilt. Die Frau des Helden in einem perfekt virtuosen, ausdrucksinnigen Violinsolo des Konzertmeisters, das in sinnliche „Rosenkavalier“-Sphären einbiegt. Ein heißer, lärmender Kampf mit siegessicheren Blechbläser-Signalen, auch hinter der Bühnentür gespielt. Bis des Helden Weltflucht und Vollendung wie im Zeitraffer „Das Beste von“ Richard Strauss zwischen „Don Juan“ und „Till Eulenspiegel“ anklingen lässt.

Die römischen Sinfoniker sind da in ihrem Element – und Pappano peitscht sie zu expressionistischen Härten, schickt noch Edward Elgars elegischen „Nimrod“ und einen flotten Ungarischen Tanz von Brahms nach. Dann haben auch die Beifälligsten genug. Dass dieses cecilianische Heldenleben eine Lieblingsnummer von Staatschef Silvio Berlusconi ist, lässt sich indes nicht beweisen...

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