Perpetuum Jazzile

Slowenischer Stimmglanz in Frankfurt

Frankfurt  - Ohne Dirigent auf die Bühne? Für manchen Chor ist das undenkbar. Eine angesagt A-cappella-Formation zeigt, das es doch funktioniert. Von Carsten Müller

Beim Auftritt von Perpetuum Jazzile, derzeit angesagte A-cappella-Formation aus Slowenien, sind in der Frankfurter Jahrhunderthalle gleich eine Handvoll Sänger im Einsatz, um den abwesenden Peder Karlsson zu vertreten. Sie haben es leicht: Denn beinahe jeder der über dreißig professionellen Akteure hat exzellente solistische Qualitäten. Die erste Deutschlandtournee „Vocal Ecstasy“ führt die stimmlich stark besetzte Chorgruppe in fast ausverkaufte Säle. Auch in Frankfurt wurden über 1700 Karten abgesetzt – mutmaßlich viele an aktive Sänger, unter denen seit Monaten ein YouTube-Video mit der außergewöhnlichen A-cappella-Adaption des Toto-Hits „Africa“ kursiert.

Dezent aber effektvoll choreografiert sind die zwei kurzweiligen Stunden, gespickt mit anspruchsvollen Arrangements, wohl dosiertem Humor, mancher Slapstick-Einlage und erstaunlichen Hörfilmen, in denen nicht nur Instrumente, sondern unter anderem Flugzeuge wirklichkeitsnah erklingen. Den Rhythmus besorgt eine Human Beatbox, am E-Piano sitzt ein versierter Begleiter, der Bassist lässt die Halle erbeben.

Für jeden Geschmack

Für jeden Geschmack ist etwas dabei, von Pat Methenys „Last Train Home“ und „Ticket To Ride“ der Beatles über David Bowies „Life On Mars“ bis zu „schwedischen Volksliedern“ von Abba. Die Pointer Sisters („Jump For My Love“), Earth, Wind and Fire sowie Van Halen („Jump“) kommen ebenso zu Ehren wie Chicago und Lady Gaga. Aber auch anrührende makedonische und schlagernahe kroatische Volkslieder haben Perpetuum Jazzile im Gepäck, raue Blues-Nummern, einen lasziven Bossa Nova sowie ein kesses Slavko-Avsenik-Medley, zu dem im Publikum Fahnen geschwenkt und Tänzchen absolviert werden – animiert von Chormitgliedern. Und natürlich darf auch „Africa“ nicht fehlen.

Zum Schluss gibt es noch ein englisches Schlaflied auf der Vorderbühne. Ganz ohne Mikrofone, aber mit Gänsehaut-Effekt. „Wir trinken nur einen Schluck Wasser, dann kommen wir zu euch ins Foyer“, heißt es zum Schluss. Solch einen Liederabend wünscht sich mancher...

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare