Söhne Mannheims in der Hugenottenhalle

Ein neues Kapitel in der Bandgeschichte

Neu-Isenburg - Überdimensionale Wohnzimmerleuchten beherrschen das Bühnenbild, sie sollen Wärme und Gemütlichkeit vermitteln. Schließlich ist es den Söhnen Mannheims wichtig, „Ganz nah dran“ zu sein an ihren Fans. Von Barbara Wellmann

Doch bei ihrem Konzert auf gleichnamiger Tour in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle dauert es lange, bis die Musiker die Verbindung zu ihren Fans finden. Die ersten beiden Lieder begeistern das Publikum nur wenig. Erst als das zwölfköpfige Kollektiv seinen größten Hit „Geh davon aus“ vom ersten Studioalbums „Zion“ (2000) anstimmt, fühlt sich das Publikum abgeholt. Die Sänger Henning Wehland, Michael Klimas und Tino Oac geben sich größte Mühe, die unverwechselbare Stimme ihres Stars Xavier Naidoo zu ersetzen, doch qualitativ ist ihr prominentester Bruder nicht zu erreichen. Die Zuschauermenge, die von 30- bis 50-Jährigen beherrscht wird, braucht ihre Zeit, um mit der neuen Kombination zurechtzukommen. Denn Naidoo und Keyboarder Michael Herberger haben sich wegen eigener Projekte eine Auszeit genommen. Und während Xavier zurzeit mit Rapper Kool Savas als „Xavas“ die Charts stürmt und in dieser Woche wieder auf Star-Suche im TV-Casting geht, erhält die Band eine neue Chance.

Sie haben zwar keine neues Album im Gepäck, doch jede Menge neue Lieder, die sie anstimmen. „One Love“ kommt besonders gut an. Neben dem bekannten Stilmix von Soul, Rock, HipHop und Pop findet sich nun auch Techno in den Stücken wieder. Die neue Formation fordert eine stärkere Einbindung der einzelnen Künstler. Die Sänger Oac und Klimas steigern sich bei ihrem A-Capella-Duett zu „Volle Kraft voraus“ zu Höchstleistungen. Die beiden Drummer Bernd Herrmann und Ralf Gustke hämmern sich durch Funk, Rock und Reggae. Auch wenn es fragwürdig bleibt, wofür zwei Schlagzeuger nötig sind, die überwiegend unisono spielen, geht die Doppelbesetzung bei den Rappern allemal auf. Überzeugt Rapper Metaphysics nicht nur durch sein smartes Aussehen, sondern vor allem mit seinen Versen, gehen die Raggamuffin-Einlagen von Marlon B direkt in die Beine.

Nach etwa einer Stunde des insgesamt gut zweistündigen Konzerts ist das Publikum sichtlich aufgetaut. Die Stimmung steigert sich. Auch wenn viele der neuen Songs ähnlich anmuten und das Programm sich stellenweise zieht, haben die Söhne nun doch ein neues Kapitel in der Bandgeschichte aufgeschlagen: Sie können sich emanzipieren und zeigen, dass sie auch ohne das große Aushängeschild funktionieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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