Wie die Väter, so die Söhne

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Der Mann mit dem Horn: Samuel Seidenberg

Frankfurt - Auf einer neuen CD-Einspielung brechen jetzt gleich vier Musiker eine Lanze für das Waldhorn. Samuel Seidenberg ist der Solist in den Horn-Konzerten von Franz Strauss und seinem Sohn Richard. Von Klaus Ackermann 

Begleitet wird der Solist vom hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle, dem Musikchef der Oper Frankfurt, selbst ein erfahrener Hornist. Mit dem Dirigenten Weigle ist der aus Osterburg in der Altmark stammende Seidenberg schon seit seiner Schulzeit bekannt. Beide hatten den gleichen Horn-Lehrer und studierten an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin. Während Seidenberg, auch Professor in Mannheim, über einige Orchesterstationen 2006 nach Frankfurt berufen wurde, strebte Weigle, 1. Solohornist bei der Staatskapelle Berlin, eine Dirigenten-Karriere an.

Es hat schon eine gewisse Dramaturgie, das Hornkonzert c-Moll von Franz Strauss mit den beiden Werken seines Sohnes Richard zu verbinden. Denn familiär vom Horn-Virus infiziert, hatte der Sohn sein 1882 in jungen Jahren entstandenes Es-Dur-Konzert dem Vater zum 60. Geburtstag gewidmet. Während das Zweite, ebenfalls in Es-Dur, Richard Strauss erst mit 78 Jahren im Kriegsjahr 1942 komponierte. Vater Franz (Joseph), Solohornist der Königlich Bayerischen Hofkapelle in München, galt als schwieriger Mensch, doch seine Art, das Horn zu spielen, galt als einzigartig.

Sein Konzert ist keine romantische Petitesse, sondern technisch recht anspruchsvoll, sagt Seidenberg. Gestalterisch weitaus anspruchsvoller ist die Nr. 1 von Richard Strauss, noch auf die romantischen Klangwelten seines Vaters zielend. Die auffällig kurzen Atembögen seien wohl auf den Widmungsträger abgestimmt gewesen, der im Alter an Asthma litt, vermutet Seidenberg. Vater Franz habe sich dann doch entschlossen, lieber zuzuhören als zu spielen. Dass die Nr. 2 ein kompositorischer Blick zurück ohne Zorn sei, liege am Charakter des Richard Strauss, der sich in Kriegszeiten ganz auf seine Kunst konzentriert habe, sagt Seidenberg. Reizvoll beim Opus Nr. 2 sind viele glanzvoll gespielte Dreiklangs-Wendungen. Eine CD also nicht nur für Kenner und Liebhaber.

Der Wahlhesse – er lebt mit Frau und drei Kindern im Taunus – kam über seinen Vater zum Blechblasinstrument. Dem war ein Waldhornstudium verwehrt, weil er sich in der DDR politisch unbeliebt gemacht hatte. Daraufhin beschloss er, evangelischer Pfarrer zu werden. Seine Liebe zum klanglich feinen Blech gab er aber an seine sechs Kinder weiter. Vier Söhne spielen mittlerweile weltweit in Spitzenorchestern. Auf die vermaledeiten Kiekser auf dem Horn angesprochen, sagt Seidenberg, die seien unvermeidlich. Denn wenn man sich voll darauf konzentriere, keine Fehler zu machen, ginge zu viel an Klang und gestalterischen Impulsen verloren. In der Tat: Schon vor vielen Jahren merkte ein erhabener Bayreuther Fahrensmann an, Hornspielen sei reine Nervensache. Und seine Hände zitterten dabei bedenklich...

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