Sommerzeit eingeblasen

Zartbesaitete zuckten in der Offenbacher Johanneskirche zusammen, als das dreiköpfige Bach-Trompetenensemble Mainz die Sommerzeit anblies mit einer Händel-Ouvertüre – begleitet von Jürgen Blume an der Orgel und Andreas Nowak an den Kesselpauken. Im glanzvollen Barockstil ging es weiter. Björn Diehl, Götz Schwehm und Christian Tolksdorff ließen es in der Passionszeit krachen wie beim Neujahrskonzert.

Bei Jean Joseph Mourets Suite D-Dur wechselte Strahlkraft des Blechs mit filigranen Flötentönen der Orgel, würdevoll im Rondeau, spielerisch im Menuett, mit extremen Höhen in den Fanfaren. In gleicher Besetzung erklang das Concerto von Francesco Manfredini, bei dem der Mittelsatz Blumes getragenem Orgelspiel vorbehalten war. Bei aller Begeisterung mangelte es den Bläsern im letzten Allegro an Präzision, während der Paukist wie ein Uhrwerk arbeitete. Wie prächtig eine Orgel klingen kann, demonstrierte Blume in Vincent Lübecks Praeludium d-Moll mit virtuoser Toccata und kunstvoller Fuge.

In die Adventszeit sah das Publikum sich bei Buxtehudes Fanfare und Choral nach dem Lied „Ihr lieben Christen, freuet euch nun“ versetzt; stammten Eröffnung und Schlusschoral doch aus einer Vorweihnachtskantate. Da ging es mit den Dialogen zwischen Trompeten und Orgel so bunt durcheinander wie mit den Jahreszeiten. Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ hat man mit drei Trompeten, Pauken und Orgel noch nicht gehört, ein schönes Spektakel.

Der modernere Teil behielt den festlichen Ton bei. Das „Festival Voluntary“ von Flor Peeters, mit Akkordverschiebungen gespielt, stand ebenso dafür wie William Mathias’ Orgel-Fanfare in D. Sehr unterhaltsam Sigfrid Karg-Elerts „Marche triomphale“ nach der Melodie „Nun danket alle Gott“. Die Trompeten-Einsätze wirkten durchdacht, die Orgel hielt farbige Harmonien parat. Nur der Abschluss war Geschmacksache: James Curnows Fantasie über „Joshua fit the battle of Jericho“ begann mit Fanfaren, um in eine fetzige Jazz-Session zu kippen. REINHOLD GRIES

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