Ihr Sopran kommt aus dem Herzen

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Diana Damrau ließ sich bei ihrem Abend mit deutschem und französischem Kunstlied-Gut von einer Harfe begleiten – statt wie üblich vom Klavier.

Wiesbaden - Es mag auch am ungewöhnlichen Begleitinstrument gelegen haben, dass den Friedrich-von-Thiersch-Saal im Kurhaus Wiesbaden von Anbeginn eine intime Sphäre umgab. Denn Diana Damrau ließ sich bei ihrem Abend mit deutschem und französischem Kunstlied-Gut von einer Harfe begleiten – statt wie üblich vom Klavier. Von Klaus Ackermann

Umso hochkarätiger wirkte das Stimm-Juwel der Weltklasse-Sopranistin, die hochschwanger ihr Publikum in Bann schlug. Die Leiden ihres Konzertpartners Xavier de Maistre, Harfenist der Wiener Philharmoniker, angesichts der Intonation auf dem hochempfindlichen Saiteninstrument überspielt sie mit Charme. Gemessen an der Popularität ihrer Schubert-Lieder nimmt sie den Zugabenteil schon zum Auftakt vorweg. Dabei wirkt etwa das „Ständchen“ oder „Gretchen am Spinnrad“ mit ihren wellenförmigen Begleitfiguren wie maßgeschneidert für die Harfe. Zumal de Maistre Register von volltönend bis fahl zieht und so auch dynamisch Akzente setzt.

Ein idealer Grund für Damraus silbrig wirkenden Sopran, der von innen heraus, von Herzen kommt. In „Du bist die Ruh“ wie mit Dämpfer gehandhabt und dennoch zwischen Pianissimo und Mezzoforte mit vielen farblichen Nuancen, wie der klerikale Dauerbrenner, Schuberts „Ave Maria“, offenbart.

Im Traum erlebte Stimmungsbilder

Hätte man sich bei den sechs Liedern aus allen Schaffensperioden des Richard Strauss manchmal doch ein Klavier gewünscht, so lässt dies Damrau schnell vergessen. Etwa im traumverlorenen „Wiegenlied“, bei dem sie ihr Ungeborenes zu streicheln scheint, aber auch mit dramatischen, glockenklaren Spitzentönen nicht geizt. „Beim Schlafengehen“ schien die Müdigkeit ein existenzieller, seelenvoller Abgesang auf diese Welt.

Mit Zwischenspielen, der spanischen Ansichtskarte „Recuerdos de la Alhambra“ von Francisco Tarrega und dem grüblerischen Impromptu für Harfe solo des Gabriel Fauré, zeigt de Maistre nicht nur sein Virtuosen-Potential, sondern leitet auch über in die feintönenden französischen Lieder der Reynaldo Hahn, Ernest Chausson und Henri Duparc, poesievolle Gespinste mit der Natur als Gleichnis für Liebes-Befindlichkeiten auf dem Weg zum Impressionismus.

Im Traum erlebte Stimmungsbilder, wie für Damraus expressiven Sopran geschrieben, die freilich auch mit kugeligen Koloraturen nicht hinter dem Berg hält, in einer Villanelle von Eva Dell Àcqua den Vogelstimmen Konkurrenz machend. Die Arie der Julia aus Bellinis Oper „Capuleti e Montecchi“ sowie Straussens „Morgen“ (wird die Sonne wieder scheinen) sind die Zugaben eines Liederabends der Kostbarkeiten, mit dem sich Diana Damrau vorübergehend von der Bühne verabschiedet.

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