Spektrum der Orgel tief ausgelotet

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Aufwühlung war Kennzeichen der Werke eines unter dem Titel ,,Méditation sur l’Apocalypse“ stehenden Konzerts in der Offenbacher Kirche St. Paul.

Offenbach - Olivier Messiaen, als Lehrer von Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis so bedeutend wie als Komponist, hat von 1931 bis zu seinem Tod 1992 Orgeldienst an der Pariser Kirche Sainte-Trinité verrichtet. Von Stefan Michalzik

Anschließend an die französische Orgelschule des 19. Jahrhunderts hat der Katholik Bekenntnisse zum Glauben geschaffen, die in Tiefe, Freiheit, Radikalität sowie in ihrem Mystizismus hergebrachte Muster der Sakralmusik hinter sich lassen. Aufwühlung war Kennzeichen der Werke eines unter dem Titel ,,Méditation sur l’Apocalypse“ stehenden Konzerts in der Offenbacher Kirche St. Paul. Messiaens Freund und Generationsgenosse Jean Langlais, der über Jahrzehnte an der Kirche Sainte-Clotilde wirkte, stellte sein Bewusstsein für musikalische Tradition in Abgrenzung zum Neoklassizismus in den Dienst der Modernität. In den „Cinq Méditations sur l’Apocalypse“, 1973 entstanden unter dem Eindruck eines Herzinfarkts, erweitert er die Möglichkeiten der Orgel im Sinne einer expressiven Freiheit der Form.

Das einleitende Stück „Les ténèbres“ (Finsternis) aus Messiaens Zyklus „Livre du Saint Sacrement“ von 1984 ist unerbittlich in der Schroffheit der Darstellung von drei Spielarten des Motivs mit disonanzreichen Clustern. Im das Konzert beschließenden Mittelsatz „Combat de la mort et de la vie“ (Kampf zwischen Tod und Leben) aus dem Zyklus „Les Corps Glorieux“ von 1939 bedient sich Messiaen des althergebrachten Mittels zweier gegensätzlicher Themen. Das eine wie das andere scheint Kräfte in sich wechselseitig hochschaukelnder Weise zu aktivieren, mit tiefer dramatischen Wirkung.

Joksch spielte in dem mit Meditationen von Pfarrer Kurt Sohns durchsetzten Konzert mit zupackender Klarheit und ausgeprägtem Gespür für den philosophischen Gehalt – jederzeit in über profunde Spieltechnik hinausweisendem Maß souverän, aber keinen Augenblick routiniert.

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