Spielfreude und Kraft vereint

Ein Mann, eine Stimme und eine Gitarre: James Morrison im Capitol Foto: Georg

Zwischen künstlichen Superstars, gesichtslosen Produzentenprojekten, singenden Schauspielern und industriell gelenkten Marketingprodukten hat eine ausgestorben geglaubte Spezies überlebt, der Singer/Songwriter. Abseits von Spektakel, Sensationen und Stilblüten weiß vor allem das deutsche Publikum noch solides Handwerk zu schätzen.

Mehr oder minder etablierter Nachwuchs wie Jason Mraz, Jack Johnson und John Mayer erfreut sich steigender Beliebtheit. Den amerikanischen Kollegen steht der Brite James Morrison in Sachen Popularität nichts nach. Auch wenn erst das Duett „Broken Strings“ mit Nelly Furtado, das die Media Control Charts anführte, den Ausschlag gab, dass das für die Frankfurter Batschkapp geplante exklusive Deutschland-Gastspiel aufgrund immens gestiegener Kartennachfrage ins wesentlich geräumigere Offenbacher Capitol verlegt wurde.

Vor nahezu ausverkauftem Haus empfiehlt sich ein sensibler Komponist, Sänger und Gitarrist, der soliden Songs mit autobiografischen Zügen wie „Save Yourself“, „No thing Ever Hurt Like You“ und „This Boy“ Authentizität verleiht. Begleitet von einem exzellenten siebenköpfigen Ensemble offeriert das 24 Jahre junge Multitalent mehr als schnöden Folk-Purismus zur Akustikgitarre – auch wenn Morrison ohne Band mit introspektiven, vorzugsweise im Mid-Tempo gehaltenen Balladen überzeugt. Dabei liegt seine Stärke eindeutig im Ensemblespiel; da offenbart der schlicht in Jeans, T-Shirt und Weste gekleidete Nachwuchs unglaubliche Kraft und Spielfreude.

Verkauften sich seine Alben „Undiscovered“ und „Songs For You, Truths For Me“ wohl vor allem deshalb in hohen Millionenauflagen, weil sich die Arrangements strikt am weltweit Radio-kompatiblen Kommerz-Konzept ausrichten, so überrascht Morrison in intimer Konzertatmosphäre mit beeindruckender Musikalität, die sich so elegant wie selbstbewusst um Gospel, Soul, Rock und Pop schlängelt, ohne allzu gefällig zu wirken. Zumal sein an Stevie Wonder erinnernder kraftvoller Gesang sich wunderbar in die rustikale Stil-Mischung integriert. Nur seine mit starkem Akzent getätigten Moderationen zwischen den Songs lassen überhaupt erahnen, dass da ein Engländer aus dem Provinzstädtchen Rugby am Werk ist.

      Überrascht von der hohen Virtuosität wie der facettenreichen Stilistik ihres angesichts seines Erfolgs recht schüchternen Idols, begrüßt die vorwiegend junge Fangemeinde stürmisch Hits wie „You Give Me Something“, „You Make It Real“ und das erst als letzte Zugabe offerierte „Wonderful World“. Reagiert indes eher verhalten, wenn Morrison mit unglaublicher stimmlicher Intensität manisch Southern Soul und Gospel beschwört – obwohl Retro-Motown à la Duffy und Amy Winehouse nach wie vor im Trend liegt. Und als wolle er seiner Klientel die Soul-Ikone Wonder näher bringen, liefert er eine stürmische Coverversion von dessen Klassiker „Uptight“ nach. FERDINAND RATHKE

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