Spontan im Charakter

Frankfurt - Ein Wechselspiel zuerst: Das Cuarteto Casals interpretierte drei barocke Fantasien von Henry Purcell, Klarinettist Ib Hausmann trat von der Seite aufs Podium und antwortete mit eigenen Improvisationen. Von Axel Zibulski

Diese situativen Eingebungen waren ein treffender Auftakt zum Kammermusikabend der Museumsgesellschaft, bei dem Ib Hausman mit dem spanischen Streichquartett im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt gastierte.

Denn die zahlreichen Verzierungen, die Hausmann und das 1987 gegründete Cuarteto Casals in Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581 einstreuten, hatten ebenfalls gleichsam spontanen Charakter. Beinahe alle Wiederholungen dieses Spätwerks musizierten sie aus, doch so reich an Varianten, dass die Aufführung keinen Augenblick langatmig wirkte. Im Gegenteil: Hausmanns kultivierter, sauberer Klarinettenton nahm vor allem im sanglichen Larghetto-Satz durch seine Rundung, seine Wärme und seine Prägnanz, die ohne jede Schärfe blieb, für sich ein. Und das spanische Quartett um die erste Geigerin Vera Martinez Mehner überzeugte mit großer Ausgewogenheit und seinem ebenfalls weich verschmelzenden Klangkörper, der Hausmanns Klarinettenstimme ideal trug und ergänzte.

Wie Mozart komponierte Johannes Brahms eins seiner späten Werke für die Besetzung von Klarinette und Streichquartett. Dieses Klarinettenquintett h-Moll op. 115 hebt sich selbst aus dem Umfeld der späten Brahms-Kompositionen durch völliges Fehlen vordergründiger Effekte, durch seine Melancholie und Altersmilde hervor.

Getragen wurde auch diese Interpretation von Hausmanns respektvoll feinfühligem und dezentem Spiel. Von erfüllter Geschlossenheit war vor allem der Variationen-Satz, der das Werk beschließt – treffend abgeklärt, aber stets lebendig, dabei gleichsam pastellfarben im Ausdruck.

Das Publikum hätte nach diesem Abend, der durch inwendige Größe begeisterte, auf eine Zugabe verzichten können. Die Künstler ließen jedoch eine Bearbeitung aus einem Gambenquartett von Purcell folgen.

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