Sportfreunde in der Festhalle

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„Sehr geehrte Frankfurterinnen und Frankfurter, einen wunderschönen Sonntagabend“, sagt Peter Brugger und wenn er lächelt, lächeln die Studi-Zuschauerinnen verliebt zurück.

Frankfurt - New Yorks Skyline als weißer Comicstrip. Ein aufgepusteter King Kong. Eine tanzende Freiheitsstatue. Vor der Kulisse: Streicher, Bläser, Sänger und ganz vorne sitzt auf einem Hocker der blonde Sportfreunde-Stiller-Frontmann Peter Brugger. Von Kathrin Rosendorff

Mit Dreitage-Bart, „Ich-Bin-gerade-zur Vorlesung-aufgestanden“-Haaren und Akustikgitarre. Er trägt ein schwarz-weißes Karo-Hemd. So eins tragen auch seine Bandkollegen Flo Weber (Schlagzeug, Gesang) und Rüdiger „Rüde“ Linhof (Bass). Dann singen sie Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York.“

„Sehr geehrte Frankfurterinnen und Frankfurter, einen wunderschönen Sonntagabend“, sagt Peter und wenn er lächelt, lächeln die Studi-Zuschauerinnen verliebt zurück. Zwei haben extra für die bayerischen Jungs ein Dirndl angezogen. Die Sportfreunde Stiller sind auf „Letzte-leise-Reise“-Tour und spielten am Sonntagabend vor 11.000 Fans in der Frankfurter Festhalle.

Noch immer Studi-Charme

Das Konzert ist weder richtig leise, noch eine Abschiedstour der 14 Jahren alten Band. Es ist die Konzertversion ihres „ MTV unplugged in New York“ -Albums. Das in München aufgenommen wurde. Das Akustik-Album war ein Ritterschlag: Die Bayern sind nämlich überhaupt erst die sechste deutsche Band, die „MTV unplugged“ aufnehmen durfte.

Zwei Stunden lang reicht das „Sportie“-Repertoire: Vom „Heimatlied“ über „Ich, Roque“ bis „Lass mich nie mehr los“: Wieder geht es um Liebe, Freundschaft und natürlich Fußball. Ihren größten kommerziellen Hit, den sie zur WM 2006 geschrieben haben „54, ‘74, ‘90, 2006“ spielen sie aber nicht. Dafür aber gratulieren sie den Frankfurtern zum „gewonnen Derby gegen Mainz“. Statt Wasser schluckt Peter Bier. Aus einem Weizenglas. Bandkollege Flo zieht Rotwein vor.

„Und was kommt dann?“ Kate Nash

Die drei sind Mitte 30. Und obwohl Peter schon verheiratet ist, und „Rüde“ zweifacher Vater, haben sie alle noch ihren Studi-Charme behalten. Und man glaubt ihnen, wenn sie die Sinnfrage „Und was kommt dann?“ bei „Der Titel vom nächsten Kapitel“ stellen. Dass sie nicht die größten Sänger sind macht nichts. Selbstironisch singen sie bei „1. Wahl“: „Wir waren nie bei einem Casting uns hat niemals wer gefragt. Wir können auch nicht singen. Haben wir niemals gesagt.“ Sehr lustig ist „Vamos“: Da kombiniert Peter die spanischen Passagen mit deutschem Akzent und italienischem Singsang.

Und „Rüde“ tauscht Bass gegen Cello. Immer schneller werden die Streicher und Gitarren beim Seemannslied „7 Tage, 7 Nächte“. Besonders schön ist das Duett von „Rock‘n‘Roll Queen feat. The Subways“. Dazu holt Peter die coole Brit-Pop-Sängerin Kate Nash, die als Vorband dabei ist, wieder auf die Bühne.

Nashs Akzent scheint Vorbild für Lena Meyer-Landrut gewesen zu sein. Bei „Alles Roger“ gibt es eine Überraschung: Da rasen die „Sporties“ erst hinter die Bühne, dann sieht man sie auf der Leinwand mit Rollern durch die Hintergänge der Festhalle fahren und plötzlich tauchen sie oben auf dem Balkon auf.

Handstände von den Fans gehalten

Und sie spielen zwischen den Reihen L und M auf einer Mini-Bühne. „Wie ein Privat-Konzert“, schwärmt ein männlicher Fan und klatscht mit. Ein wenig später gibt es die „Sporties“ noch näher: Peter lässt sich erst in die Menge fallen: Dann macht er von den Zuschauern gehalten sogar mehrere Handstände. Auf der Facebook-Seite der „Sporties“ schreibt ein Fan-Mädchen wenig später: „Frankfurt geht selig schlafen. Trotz Peters Rückenschweiß an meinen Händen, diese noch gewaschen...“

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