Konzert in Jahrhunderthalle

Sportfreunde Stiller: In all den Jahren

+
Die Sportfreunde Stiller bei der Echo-Gala.

Frankfurt - Es soll doch immer noch Spötter geben, die behaupten, das sympathische Bayern-Trio Sportfreunde Stiller sei eigentlich eine Fußballmannschaft. Von Peter Müller

Weil für den geregelten Spielbetrieb aber acht Kicker fehlten, haben Frontmann Peter Brugger, Drummer Florian Weber und Bassist Rüdiger „Rüde“ Linhof kurzerhand eine Fußball-Schlager-Schunkel-Combo aufgemacht. Obwohl ihr sportliches Potenzial das musikalische eindeutig übersteigt. Dass derlei Theorien natürlich pures Spaßbremsen-Genöhle sind, machen zumindest die gefühlt nibelungentreuen Fans beim gefeierten Frankfurt-Gastspiel in der restlos ausverkauften jahrhunderthalle klar: Hier ist allerbeste Laune Pflicht, und wer nicht schon in der kollektiven „Das Leben ist toll“-Stimmung angereist ist, hat ja immer noch die Chance, sich an einem der zahlreichen Weißbier-Tankstellen mit der Wartezeit auf die fröhlichen Drei deren eher mäßige HipHop-Vorgruppe „Blumentopf“ schön zu trinken.

Gegen 21 Uhr geht dann die Party richtig los, mit flirrendem Geblitze, kernigen Beats und einer „Hymne auf Dich“, in der die 2006-er WM-Barden mit der Zeile „Raus aus dem Schatten, rein ins Licht - sich ein bisschen feiern schadet nicht“ gleich mal das Motto des Abends festzurren. Sportfreunde Stiller, das ist auch acht Sommer nach dem Märchen-Hit „54, 74, 90, 2006“ eine kompatibel-groovig tönende Anleitung zum Glücklichsein.

Fans hüpfen, klatschen und skandieren

Ihr gerade mit dem Echo belohntes Album „New York, Rio, Rosenheim“, das neben altbekannten Gassenhauern wie „7 Tage, 7 Nächte“, „Komm schon“ oder „Wunderbaren Jahren“ den roten Faden des Jahrhunderthallen-Gigs gibt, ist wieder ein Zurück zum lockerleichten Friede-Freude-Eierkuchen-Rock, dem auch ein paar nachdenkliche Untertöne („Siehst Du das genauso?“) nicht den Spaßfaktor nehmen können.

Die Fans jedenfalls - Youngtimer bis Mittdreißiger samt Nachwuchs - hüpfen, klatschen, skandieren und schwitzen sich minütlich mehr in die Euphorie. Dabei tut schon mal gar nicht zur Sache, dass die Sportfreunde trotz einer ausgeklügelt guten Bühnen-Deko zuweilen immer noch wie eine Garagen-Combo wirken: Da wird längst nicht immer sauber phrasiert und intoniert, manchmal sogar schräg daher gesungen und der improvisierte Witz des Trios verdient sich in schöner Regel das Etikett unlustig.

Spielt aber keine Rolle, weil „Dödödöp zickezacke hoi hoi hoi“, wie es in „Unter Unten!“ heißt, oder „Applaus, Applaus für Deine Worte, hör niemals auf damit!“ und ähnlich ambitioniertes Volkslied-Textgut ganz offenbar hautnah jenes Gemeinschaftsgefühl vermitteln, das uns auch im Märchensommer 2006 so emotional besoffen jubilieren ließ, bis sich die Fanmeilen bogen. Gut, mit dem WM-Titel wurde es bekanntermaßen nix, aber die Konfetti-Fete noch mal nachholen, einfach so, weil´s mal wieder an der Zeit ist - das geht zweifelsfrei am urigsten mit den griffigen Lalala-Hooks der „Sportis“.

Mehr zum Thema

Kommentare