Musikantenstadl in der Jahrhunderthalle

Von der Spree zu den Gipfeln

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Andy Borg und Karel Gott auf der Bühne.

Frankfurt - Ein schmissiges „Es ist Stadlzeit“ schmettert Andy Borg zur Eröffnung ins Mikrofon, und fast alles ist wie im Fernsehen. Von Harald H. Richter

Otti Bauer und sein Orchester spielen zünftig auf, der Moderator im schillernd silbergrauen Anzug schreitet die von Mitgliedern des Deutschen Showballetts Berlin gesäumte Treppe herunter, das frohgelaunte Publikum schunkelt und klatscht zum volkstümlichen Melodien-Potpourri.

Dem Ereignis angemessen, wird im Saal manches Dirndl gesichtet und auch die eine oder andere Krachlederne. Fast drei Stunden lassen sich rund 1200 Besucher in der Höchster Jahrhunderthalle trefflich unterhalten. .

Eines der größten Schlagerformate im Fernsehen trifft auch bei seiner Tournee durch die Konzertsäle den Nerv des Publikums. Seit über 30 Jahren wird im Musikantenstadl musiziert, gesungen und gelacht, mittlerweile sieben Jahre mit Andy Borg als Gastgeber und Garant für gute Laune. „Die Gunst seines Publikums muss man sich jeden Tag von neuem hart erarbeiten“, sagt der gebürtige Österreicher, der sich selbstironisch als „singende Mozartkugel“ bezeichnet. Mit Herzlichkeit, Wortwitz und a bisserl Wiener Schmäh gelingt ihm das auch diesmal.

Internationale Gäste auf der Bühne

Gäste aus fünf Ländern sind aufgeboten. Die Schweizer Volksmusikgruppe „Oesch’s die Dritten“ – weil in dritter Generation auf den Bühnen zu Hause – macht den Anfang. Sie mischt alpenländische Weisen mit modernen Arrangements. Eingerahmt von ihren Brüdern Kevin und Mike, den Eltern Hansueli und Annemarie sowie Akkordeonist Urs Meier brilliert vor allem die stimmakrobatische Melanie mit großen Intervallsprüngen und weitem Tonumfang.

Auf der musikalischen Reise von der Spree über den Böhmerwald hinauf zu den Berggipfeln führt Sänger und Gitarrist Oswald Sattler das Publikum in seine Heimat Südtirol. Der 55-Jährige schlägt dabei eher balladeske Töne an, etwa bei „Montagna Blue“ und „Komm, ich zeig dir die Berge“. Hingegen setzt die charmante Schweizerin Francine Jordi, inzwischen auch schon 15 Jahre bühnenerfahren, unter anderem mit ihrem neuen Hit „Gegen dich“ beschwingte Akzente. Im Duett mit Andy Borg, der einen Mix seiner eigenen Hits präsentiert, verbreitet sie mit der deutschen Version von Alain Barrieres „Tu t’en vas“ (Du gehst fort) einen Hauch Melancholie.

Showballett tanzt zum Abba-Medley

Beim schwungvollen Abba-Medley zeigen die Mitglieder des Showballetts viel Bein und nackte Haut, bevor sich die Scheinwerfer auf den Star des Abends richten: Karel Gott. Der unverwüstliche 74-Jährige ist hierzulande so populär wie eh und je. Er besingt seine „Lady Carneval“ und die „Biene Maja“, erinnert mit „Babicka“ und beim gemeinsamen Auftritt mit Francine Jordi zu „Fang das Licht“ mit nach wie vor markanter Stimme an seine großen Erfolge.

Es gibt kaum jemand im Publikum, der seine Lieder nicht mitzusingen imstande ist. Auch Karel Gott kommt ohne Zugabe nicht von der Bühne, auf der sich zum Abschied sämtliche Solisten des Abends noch einmal versammeln, um dankbaren Schlussapplaus eines zufriedenen Publikums zu empfangen.

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