Alte Schule, die begeistert

Offenbach - Die Musik der Hamburger Band Spring Leads You Home Tonight lässt unzweifelhaft amerikanische Vorbilder erkennen. Sie klingt derart „authentisch“, dass sie gar suggeriert, die Band selbst stamme aus Nordamerika oder Kanada. Von Stefan Michalzik

Das Koordinatensystem, in dem sich Spring Leads You Home Tonight im Offenbacher Hafen 2 bewegen, ist das einer umcodierten, von Breitbeinigkeit befreiten Rockmusik. Nicht anders als bei vielen der transatlantischen Vorbilder braucht es auch bei den Hamburgern eine große Zahl von Musikern, genauer gesagt acht, um ein dicht gewobenes Klangbild herzustellen. Die Opulenz ist aber keine auftrumpfende.

Die verhangene Grundstimmung schillert in vielen Gestalten: Manche Songs wirken milde wohllaunig, vereinzelt kommt Dramatik ins Spiel. Im Zentrum steht der Sänger und Texter Sebastian Schweigatz, der auch die akustische Rhythmusgitarre spielt. Die Gitarrenrockbesetzung ist über das Keyboard hinaus um die Bratsche erweitert, die weibliche der Harmoniestimmen steuert Alison Thomas in einer noch nicht gesehenen Doppelfunktion vom Mischpult aus bei. Um die ostinaten Figuren auf dem Bass und der E-Gitarre winden sich Harmoniewechsel und dynamische Steigerungen. Der Gestus changiert zwischen Lässigkeit und inbrünstiger Emotionalität, die wesentlich von der hohen mitunter etwas zittrigen Stimme Schweigatz’ ausgeht. Im Duett „I Still Want You to Stay“ mit Alison Thomas ist der Mann der flehentlichere Teil. Spring Leads You Home Tonight eifern einem internationalen Vorbild nach. Das betreiben sie – nicht zuletzt handelt es sich um brillante Songschreiber – derart glücklich, dass man ihnen gern zuhören mag.

Rubriklistenbild: © Thomas Siepmann/pixelio.de

Kommentare