Vor dem Sprung in höhere Sphären

Frankfurt - Im Mai dieses Jahres spielten sie noch auf der Studiobühne, gerade mal ein halbes Jahr später im Saal des Frankfurter Mousonturms: Bodi Bill haben binnen kurzer Zeit an Popularität hinzu gewonnen. Von Sebastian Hansen

Die Musik der (Ost-)Berliner Elektropopband oszilliert zwischen süffig und spröde – was zwar nicht zwingend geeignet ist, das Interesse der Massen anzuziehen, aber fraglos den besonderen Reiz ausmacht.

Die Show ist in einer dezenten Weise opulent. Zum Zeitpunkt des Erscheinens ihres Debütalbums „No More Wars“ von 2007 waren Bodi Bill ein Duo um Alex Amoon und Fabian Fenk. Alsbald gesellte sich der Produzent Anton K. Feist hinzu, auf dieser Tournee steht ein vierter Mann mit auf der Bühne. Die Musik wird in der Hauptsache elektronisch produziert, Amoon spielt gelegentlich Gitarre, Fenk Violine. Die visuelle Ornamentik der Bildprojektionen ist der perfekte Kaugummi für die Augen. Alex Amoons Jackett ist dergestalt gesprenkelt, dass man meinen könnte, er hätte es beim Weißen seiner Wohnung getragen. Für einzelne Nummern kommen florafaunische Kostüme ins Spiel.

Bodi Bill, die mit ihrem im Frühjahr erschienenen Album „What?“ unterwegs sind, wollen’s wissen. Und zwar zweierlei: Einesteils ist die Lust erkennbar, das Haus zu rocken. Zugleich wollen sie „arty“ sein. Beides geht bei ihnen so prächtig zusammen wie die Symbiose von Song und Track. Die Musik blubbert träge oder sie bratzt; sie wirkt verhangen wie die hohen, sanftmütigen Stimmen von Alex Amoon und Fabian Fenk. Viele Songs sind locker-flockige Tanznummern, einen Firnis von Melancholie legen Bodi Bill freilich immer darüber.

In der Zugabe hat Fabian Fenk in einer solistischen Instrumentalnummer mit einer genialischen Anverwandlung der Errungenschaften von Techno und House, von Kraftwerk, Detroit und Chicago die Wurzeln der Musik von Bodi Bill offen gelegt. Mit ihrer Fortschreibung bewegen sich Bodi Bill auf der Höhe des State of the Art im Elektropop.

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