Ständchen ehrt den großen Tonkünstler

Am 3. Februar 1809 ist Felix Mendelssohn Bartholdy geboren, in Offenbachs gut besuchter Markuskirche wurde jetzt sein 200. Geburtstag gefeiert. Dazu ging ein Großaufgebot von fast 150 Mitwirkenden ans Werk. Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath hatte seine Offenbacher Kantorei bestens präpariert und gut mit Hartmut Kedings Unterliederbach-Höchster Kantorei abgestimmt.

Und Musik ausgesucht, die man viel zu wenig hört. Die innige Hymne „Hör mein Bitten“, 1847 kurz vor seinem Tod von Mendelssohn fein orchestriert, wurde vom Heidelberger Kantatenorchester geradezu zelebriert. Wie die mit wunderschönem Sopran ausgestattete Anna Gann das gesungene Gebet der verzagten Seele vortrug, das berührte.

Altitalienische Vokalkunst mit romantischem Hörner- und Klarinettenmelos verknüpfend, bröckelte unter Koriaths Dirigat das Klischee von Mendelssohns „intellektueller Kirchenmusik für den Konzertsaal“ gewaltig. Auch bei der „Reformationssymphonie“ Nr. 5 von 1829/30 lieferte Koriath mit den Kurpfälzer und Bergsträßer Musikern Meisterhaftes ab. Spannend war, wie sich die Motive aus dem „Dresdener Amen“ entwickelten und aus dem Choral „Ein veste Burg“ ins Fugato verzweigten. Kontrast- und einfallsreich mündete die langsame Introduktion in ein feuriges Allegro, das Motiv sprang in charakteristischen Intervallen zur Coda. Der zweite Satz geriet zum verspielten Scherzo, der dritte glänzte durch innige Instrumentalrezitative der vorzüglichen Bläser und Streicher. Im vierten schmetterte das Bläserensemble den Choral als himmlischen Cantus firmus, die Coda überdeckte lärmende Tutti-Einsätze mit Paukendonner und Bläserfortissimo.

Dass Mendelssohn nicht unbedingt ein Großmeister des Chorals war, spürte man auch bei der etwas flach komponierten Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (1831). Es war mehr das Verdienst der Chöre, der Cellisten und Kontrabassisten als das des dirigierenden Propsteikantors Hartmut Keding, dass diese sehr schön geriet.

Auch das sperrige Versmaß von Thomas von Aquins Text „Lauda Sion“ ist kein leichtes Brot. Doch bei Mendelssohns meisterhaft vertonter Fronleichnamssequenz (1845/46) riefen Chöre und Orchester eine bravouröse Leistung ab, zumal Kedings Dirigat zunehmend flexibler geriet. Fehlender Schwung in breit schreitender Einleitung war in schönen Bläserkantilenen vergessen, die Vokalisten sangen mal energiegeladen und mal verinnerlicht, textlich immer hervorragend verständlich. Auch die Wechsel mit den Solisten gerieten harmonisch. Kontrapunktisch wie melodisch bezaubernd das Soloquartett „In hac mensa novi Regis“ mit Anna Gann, Altistin Diana Schmid, Tenor Daniel Jenz und Bass Christian Palberg, ein Höhepunkt des Abends. Sanft wie Ganns Engelsgesänge endete das Chor-Erlöserlob mit zartem Amen. REINHOLD GRIES

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