Ständchen für Frühklassiker

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Großaufgebot beim Konzert zu Ehren Ignaz Holzbauers.

Offenbach - Zum 300. Geburtstag des in Wien geborenen Mannheimer Frühklassikers Ignaz Holzbauer (1711-1783) bot Tobias Koriath einen ausladenden Klangkörper auf. Von Reinhold Gries

Seine Offenbacher Kantorei traf bei Konzerten in Offenbachs Markuskirche und Heusenstamms Maria Himmelskron auf die von Gunhild Berck vorbereitete Evangelische Kantorei Heusenstamm, die auf historischen Instrumenten spielende Kammerphilharmonie Mannheim und die Solisten Sabine Zimmermann (Sopran), Johanna Krell (Alt), Daniel Jenz (Tenor) und Johannes Wilhelmi (Bass).

Das Konzert in Offenbachs Markuskirche begann mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Sonata da Chiesa“ C-Dur Nr. 14, brachte dann Johann Adolf Hasses „Miserere in d-Moll“ und als Wiederentdeckung Holzbauers recht unbekannte „Messe in C-Dur“.

Mozarts Sonate gab als Ouvertüre klassische Dimension vor. Gekonnte Spielart bewies dabei die Mannheimer Kammerphilharmonie ebenso wie bei Hasses nach 1730 entstandener Streicher- und Continuo-Partie, die Soli und Frauenchor des Miserere andachtsvoll in Szene setzten. Die rund 50 Vokalistinnen begannen den Chorsatz voll Ernst und Würde. Danach gewann Davids Bußgebet eher lieblichen Charakter und versöhnlichen Ausdruck, von Krell und Zimmermann solistisch wie im Duett vorzüglich herausgearbeitet. Belcanto-Koloraturen bot Zimmermann kraftvoll, Krell mit besonders feinem Gespür dar. Der Chor musste freilich bei Imitationen an die Grenze gehen.

Frühklassisches Instrumentarium aus Streichern, Pauken, Trompeten und Hörnern erweiterte Holzbauer in seiner c-Moll-Messe um opulenten Holzbläserklang. Das zahlte sich nicht nur bei der schönen Sinfonia aus, die mit tiefer gestimmtem Wohllaut gut ins Ohr ging. Sinfonisch klingende Orchesterpartien blieben auch im Folgenden stilbildend, während die Solisten inmitten strengen Kirchenstils kantabel zu Werke gingen. Ihre Duette, Terzette und Quartette gerieten zu Höhepunkten.

Im „Laudamus te“ parlierten Zimmermann und Krell mit der Traversflöte besonders innig, auch der einfühlsame Dreigesang des „Quoniam tu“ und das „Sanctus“ von Krell und Jenz gingen zu Herzen. Im „Cruzifixus“ setzte der Chor zu kraftvollem Forte an, nach Wechselgesängen mit den Solisten schließlich zu diffizilem Fugato. Dort zu hörende dramatische Effekte fehlten im Credo. Insgesamt, auch beim abschließenden „Agnus Dei“, hätte die Chorallianz da und dort mitreißender und rhythmischer singen können. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen, allerdings nicht bei den zahlenmäßig schwach besetzten Männerstimmen.

Die Zuhörer waren sehr angetan, denn Koriath hatte mit professionell auftretendem Orchester und zwei engagierten Chören Pionierarbeit geleistet. Und ideal hatte sich Jenz´ heller Tenor mit Krells warm timbriertem Mezzo-Register ergänzt und Zimmermanns Sopran im Kontrast zu Wilhelmis Dunkeltönen atemberaubende Höhen erklommen.

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