Der Star im Hintergrund

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Nosie Katzmann schrieb Eurodance-Hits für Captain Hollywood, Culture Beat und Jam & Spoon. Jetzt hat er sein zweites „Greatest Hits“-Album veröffentlicht, rockige Cover-Versionen der Disco-Feger.

40 internationale Charthits, Millionen verkaufter CDs, Erfolge mit „Mr. Vain“ und „Right In The Night“ für Culture Beat und Jam & Spoon. Der Eurodance-Boom ließ Anfang bis Mitte der Neunziger eine wahre Goldgräberstimmung in Frankfurt aufkommen. Mitten drin Nosie Katzmann. Von Detlef Kinsler

„Man hatte schon das Gefühl, man ist was Besonderes. Alle um mich herum hatten alle irgendwann Erfolg. Aber wenn man raus kam aus diesem Zirkel, da war tote Hose“, erinnert sich der Komponist an die kommerziell erfolgreichste Zeit seiner Karriere.

Wie wird man einer der erfolgreichsten deutschen Hitsongschreiber? Durch Zufall. „Ich war eine lokale Größe in der Rockmusik in Darmstadt und Thorsten Fenslau der angehende Star-DJ“, erzählt Nosie Katzmann. „Wir hatten beide ein Faible für das Mini Café am Luisenplatz. Dort hingen wir ab, kamen ins Gespräch, redeten über Musik, und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich ihm nicht mal einen Song texten könne. Und ich sagte, ja klar.“

Berührungsängste mit dem Dancefloor hatte der Rock’n’Roller keine. „Ich mochte Costa Cordalis’ ,Anita’ genauso sehr wie ,Stairway To Heaven’ von Led Zeppelin. Ich hab’ kein Faible nur für das eine, bin kein musikalischer Rassist. Und deswegen war ich für alles offen – und gleichzeitig faszinierte mich alles, was anders klang.“

Plötzlich war Musik wieder richtig spannend

Wie anders das klingen würde, war ihm in dem Moment noch nicht bewusst. „Auf einmal kamen da so ein paar junge Typen, schlagen ’ne Tür zu und verkaufen es als Musik – so habe ich das damals empfunden“, lacht Katzmann und entdeckte eine wunderbare Synergie.

Die Youngster hatten keinen blassen Schimmer von Akkordfolgen, Arrangements, musikalischen Gesetzen. „Sie gingen so naiv mit Musik um wie ich, als ich das erste Mal eine akustische Gitarre in die Hand nahm.“ Plötzlich war Musik wieder richtig spannend. „Ob das nun Dance war oder Underground, vollkommen egal. Es hatte eine bestimmte Art von Energie, die anders war.“ Faszinierend für Katzmann.

„Ich hatte die Lust an allem verloren“

Der Rest ist Geschichte. Irgendwann kam die Routine, Geld verdienen wurde wichtiger als alles andere. Erfolgsdruck, Burn Out: „Ich hatte die Lust an allem verloren“ – nach einer Auszeit wollte sich Katzmann den Spaß zurückholen, den er als junger Künstler gehabt hatte. „Einfach Kumpels anrufen und mit der akustischen Gitarre ein paar Songs so aufnehmen, wie ich das schon immer wollte.“ Da brach auch Katzmanns eigentliche musikalische Sozialisation wieder durch. Der Vater war begeistert von Johnny Cash. Das prägte. Nosie wurde Fan von Crosby, Stills & Nash. Die frühen Fleetwood Mac hinterließen Eindruck. An Bob Dylan kam er nicht vorbei.

Als der Sänger und Gitarrist dann 2008 sein erstes „Greatest Hits“-Album in Angriff nahm, wusste er nur eins: „Ich wollte eine Pedal-Steel-Gitarre drauf haben, egal ob das nach Country klingt.“ Im Studio von Edo Zanki, einem frühen Förderer, entstand ein lässiges, entspanntes Singer/Songwriter-Album, auf dem die alten Chartbuster in Folk- und Countryfarben neu erfunden wurden. „Greatest Hits 2“, gerade erst erschienen, hat mehr Rock- und Popelemente. Der Wohlklang bleibt.

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