Star unterm Sternenschirm

Irgendwann steigt sie von der Bühne herab. Einen Schirm aus Sternen über sich haltend dreht sie eine Runde durch den Zuschauerraum, bis hinauf zur Empore. Ein schönes Bild ist das und ein bezeichnendes für Jane Birkin noch dazu. Dem äußeren Anschein nach tut sie gar nicht sonderlich viel an diesem Abend im Frankfurter Mousonturm. Ist einfach da.

Bewegt sich mit schlichter Selbstverständlichkeit auf der Bühne und singt ihre Lieder.

Was auch immer sie seit ihrem Debüt als Schauspielerin 1966 im Film „Blow Up“ von Michelangelo Antonioni getan hat: Es war immer beglaubigt durch ihr unprätentiöses Auftreten. Eine wie Jane Birkin ist immer durch und durch sie selber, gleich wer da gerade Regie führt. In der Musik ist das lange Serge Gainsbourg gewesen, mit dem sie zwölf Jahre lang liiert gewesen ist. Lange waren es nur seine Lieder, die sie gesungen hat. Erst jetzt, für das jüngste Album „Enfants d‘Hiver“, hat sie erstmals die Texte selbst geschrieben, in den Jahren zuvor schon Kompositionen anderer Songwriter wie beispielsweise Beth Gibbons und Tom Waits zu den ihren gemacht.

Anders als früher ist die 62-Jährige heute kurzhaarig, und sie tritt mit Hemd, Weste und locker gebundenen Krawatte auf – ein Spiel mit ihrer androgynen Erscheinung. Den musikalisch eher unauffälligen Chansonpop spielen vier Musiker an Cello, Bass, Klavier und Gitarren. Sie singt dazu ein zartes Parlando mit Ausreißern in verhauchte Höhen.

Die Konzerte von Jane Birkin enden regelmäßig mit einer zum Himmel gerichteten Dankesgeste für Serge, dessen Lieder sie weiter singt. Selbstverständlich wie alles verläuft bei ihr auch das Altern: Es geschieht einfach, mit einem Kampf offenkundig nicht verbunden. Ganz von heute ist Jane Birkin nicht. Und dabei ganz bestimmt nicht von gestern. SEBASTIAN HANSEN

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