Chamber Orchestra of Europe

Stimmglanz und Streicher-Sturm

+

Frankfurt - Das ging rekordverdächtig schnell: Gerade 90 Minuten benötigte das Chamber Orchester of Europe für das erste „Sonntagabendkonzert“ der Alten Oper Frankfurt, die Pause eingeschlossen. Von Axel Zibulski

Zum Teil lag es am kompakten Programm, mit Prokofjews „klassischer“ Sinfonie Nr.1 und drei Mozart-Arien vor der Pause. Zum Teil lag es aber auch an Dirigent Teodor Currentzis, der im zweiten Konzertteil Felix Mendelssohns „Italienische“ Sinfonie regelrecht hochbeschleunigte.

Das Chamber Orchestra of Europe eröffnete zugleich das Interpretenporträt in der aktuellen „Auftakt“-Reihe. Im ersten von vier Konzerten mit Sopranistin Mojca Erdmann konnte die 36-jährige Hamburgerin immerhin ihre Visitenkarte als gefragte Mozart-Interpretin abgeben: Aus der Oper „Idomeneo“ sang sie die Auftrittsarie der trojanischen Prinzessin Ilia, und zwar so leicht, hell, wendig und präzise, wie es für ihren silbrigen, freilich nicht sehr farbtonreichen Sopran charakteristisch ist. Auch ist Erdmanns Stimme weder groß noch voluminös, Emphase und Furor liegen ihr weniger, wie es in der eigentlich wütenden „Tiger-Arie“ aus Mozarts Singspiel „Zaide“ zu erleben war. Erdmanns Mühelosigkeit im Lyrischen freilich beeindruckte, vor allem in der Pamina-Arie „Ach, ich fühl’s, es ist verschwunden“ aus der „Zauberflöte“.

Fein, schlank und sehr transparent

Der Grieche Teodor Currentzis begleitete den Auftritt verhalten und gut stützend. Zuvor, in Sergej Prokofjews „Symphonie classique“ D-Dur op. 25, hatte das Chamber Orchestra mit dem höchst eigenwilligen, kräftig bewegten, aber offensichtlich präzisen Dirigierstil des 40-Jährigen keine Probleme.

Currentzis fasste Prokofjews kaum viertelstündige Sinfonie im Klang klassizistisch auf, fein, schlank und sehr transparent – arbeitete ihre harmonischen Kühnheiten, ihre rhythmischen Überraschungen aber klar als Elemente des frühen 20. Jahrhunderts heraus. In der Aufführung von Felix Mendelssohns Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 schließlich konnte er sich ganz auf die äußerst exakten Streicher des europäischen Kammerorchesters verlassen, deren Sicherheit auch nötig war, um am Ende einer ohnehin temporeichen Interpretation das Saltarello-Finale so wirbelstürmisch wie kaum je gehört voranfegen zu lassen.

Kommentare