Stimmtalent im Wettlauf mit der Zeit

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Paul Potts ein Casting-Star.

„Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“, unkte einst der Satiriker Karl Kraus. Ein Umstand, der vor allem auf die Teilnehmer diverser Castingsendungen zutrifft. Wie etwa im Falle von Paul Potts, 2007 Gewinner der englischen Nachwuchs-Show „Britain’s Got Talent“. Wie üblich lässt das Interesse des Publikums mit der Zeit nach. Von Ferdinand Rathke

Füllte er bei seinem letzten Frankfurter Auftritt noch locker die geräumige Festhalle, so muss er diesmal mit der kleineren Jahrhunderthalle vorlieb nehmen. Doch für das erstaunlich gemischte Auditorium in Höchst scheint Potts trotz neuerdings teurer Anzüge und ordentlich gerichteter Zahnreihen noch immer der Größte zu sein.

Frenetisch umtost wird nicht nur der Auftakt des korpulenten Briten mit populärem Liedgut wie „Granada“, „Memory“ und „Che gelida manina“. Auch weniger starke Kostproben seines Könnens, begleitet von der Neuen Philharmonie Frankfurt unter der Ägide von Dirigent Bob Willis und Pianist Chris Taylor, mit Hommagen an die Tenor-Legenden Enrico Caruso, Mario Lanza und Fritz Wunderlich werden mit lang andauerndem Beifall belohnt – selbst wenn der Interpret an manchen Stellen schwächelt. Damit seine Stimme sich nicht im Dauereinsatz befindet, assistiert wieder die neuseeländische Sopranistin Elizabeth Marvelly.

Zwischendurch unterhält er mit denselben Anekdoten wie im vergangenen Jahr, preist seine ihm Angetraute und nippt aus bereitstehender Teetasse mit Honig. Zwei Stunden sind wie im Flug vergangen, als Potts sich mit „Time To Say Goodbye“ standesgemäß verabschiedet. Zur Zugabe erklingt noch jenes Lied, das ihm den Sieg bei der Talentsuche einbrachte: Giacomo Puccinis „Nessun dorma“. Und wie bei seinem ersten Gastspiel bittet ein verlegen wirkender Paul Potts im Taumel minutenlanger Ovationen darum, dass er gern wiederkommen möchte.

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