Rod Stewart vor Kurhaus Wiesbaden

Stippvisite des gereiften Unterhalters

In Zeiten wirtschaftlicher Not verknappen sich nicht nur Arbeitsplätze und Geld. Selbst immens betuchte Weltstars wie Elton John und Bruce Springsteen leisten sich bei ihren derzeitigen Tourneen durch Europas Freiluft-Arenen eine, höchstens zwei Stippvisiten pro Land. Auch die samtene Kratzstimme Rod Stewart bildet da keine Ausnahme.

Sein zweites von zwei Deutschlandkonzerten führte ihn nach Wiesbaden.

Dass Rod ,The Mod’ Stewart, der zu Karrierebeginn vor 40 Jahren als manisch beseelter Protagonist der britischen Rhythm’n’Blues-Szene galt, längst seinen Wurzeln abgeschworen hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Spätestens mit dem Umzug ins kalifornische Idyll vor dreieinhalb Dekaden entledigte sich der nunmehr 64 Jahre alte Sänger, Komponist und Texter geflissentlich seiner einstigen Ideale. Gewissensbisse wegen einem Luxusleben auf steter Überholspur hat er wohl nicht. Würde er sonst sein mit knapp 90 Minuten reichlich kurz geratenes Gastspiel ausgerechnet mit der sarkastischen Hymne „Some Guys Have All The Luck“ eröffnen?

Der von Kollege Robert Palmer komponierte Song stellt in ironischen Worten die nicht von der Hand zu weisende These auf, dass es Männer gibt, denen wohl alles in den Schoß fällt, während andere leer ausgehen. Palmer starb mit 54 Jahren. Ein wenig mehr Glück hatte Rod Stewart in seinem Leben. Zählt der Blondinenkenner doch seit Jahrzehnten zur Weltelite. Quasi der Freibrief sich künstlerisch nicht mehr allzu weit aus dem Fenster zu hängen, um vornehmlich dem Mainstream zu huldigen.

Ganz in diesem Sinne singt, tanzt und kalauert sich der von einem elfköpfigen Team begleitete siebenfache Vater, der nach zwei gescheiterten Ehen seit 2007 mit Penny Lancaster verheiratet ist, durch ein reichlich anämisches Programm regelrechter Belanglosigkeiten. Zumal ein überwiegender Teil des schmalen Repertoires sich auch noch aus Interpretationen fremder Komponisten zusammen setzt: Bonnie Tylers „It’s A Heartache“ folgt „This Old Heart Of Mine“ der Isley Brothers. Nahtlos schließen sich Sam Cookes „Having A Party“, Tom Waits’ „Downtown Train“, Cat Stevens’ „The First Cut Is The Deepest“, „LoveTrain“ von The O’Jays und Van Morrisons „Have I Told You Lately?“ an.

Viel zu selten bekommt das dennoch seinem Helden frenetisch zujubelnde Publikum innerhalb und außerhalb des Zuschauerraums die Talente von Rod Stewart zu hören, die den im Londoner Stadtteil Highgate aufgewachsenen Halbschotten einst in den Rock-Olymp beförderten. Konzessionen an die eigene frühe Karriere mit selbst Komponiertem macht der mittlerweile zum Commander Of The British Empire ernannte Stewart nur wenige: In „You’re In My Heart“ verherrlicht der Superstar seine Leidenschaft für den britischen Fußballverein Celtic Glasgow. Erschreckend blass hingegen die Version des ersten Millionenhits „Maggie May“ aus dem Jahre 1971.

Ein bisschen gerockt wird auch. Etwa in Sam Cookes „Twistin’ The Night Away“, aber vor allem mit „Hot Legs“, wo es sich der Weltstar nicht nehmen lässt, Dutzende von Fußbällen persönlich ins Auditorium zu kicken. Ausgeklammert wird auch nicht jene Phase, als sich Rod Stewart als eitler Disco-Pfau generierte: „Baby Jane“ stampft wie in der Großraum-Disco am Stadtrand zu Hochbetriebszeiten, während „Do Ya Think I’m Sexy?“ immerhin noch das Subtile im Idiom auslotet. Gerade mal eine lausige Zugabe gewährt Mr. Stewart seinen Fans mit der Kuschelrockballade „Sailing“ zum sparsamen Feuerwerk. Obwohl er doch zum Auftakt behauptet hatte, er liebe es, an einem Samstagabend aufzutreten.

FERDINAND RATHKE

Kommentare