Streicher zeigen hohe Präzision

Die „Goldberg-Variationen“ stehen bei den Frankfurter BachKonzerten im Mittelpunkt. Dabei sind Bachs „Aria“ und ihre 30 Variationen interpretatorischen Veränderungen unterworfen: Pur erklang das Klavierwerk im September bei Cembalist Julian Frey, jetzt stellte das Hamburger Ensemble Resonanz die Streichorchester-Fassung des Geigers Dmitry Sitkovetsky vor. Von Axel Zibulski

Berückend war die Präzision, mit der die Streicher jede Bachsche Verzierung einstreuten, jeden Pralltriller und Doppelschlag prägnant ausspielten; nie zum Verschwommenen tendierte das in der Streicher-Version gestärkte Legato-Spiel. Undogmatisch ging das ohne Dirigenten spielende Ensemble um Konzertmeisterin Juditha Haeberlin mit den Wiederholungsvorschriften um: Sie wurden gespielt, wo es atmosphärisch passte, und ausgelassen, wo die im Streicherklang gegenüber der originalen Klavierfassung ohnehin etwas breitere Wiedergabe zu breit geworden wäre: Das wirkte ebenso stimmig wie die enorm synchron erfühlten Phrasierungen.

Fortgesetzt wird die Reihe mit Interpretationen der „Goldberg-Variationen“ am 24. November, wenn im Mozart-Saal der Alten Oper das Ensemble Sax Allemande eine Fassung für drei Saxofone vorstellt.

Weniger als stilistischen Bruch, sondern als Fortführung von Bachs Variationen-Gedanke ließen sich die Ergänzungen dieser „Goldberg-Variationen“ um Streicherwerke von Anton Webern hören, die in die Variationen-Folge integriert waren. Eine Zwölftonreihe ist es, die im ersten Satz seines 1938 uraufgeführten Streichquartetts op. 28 weiterentwickelt und eben auch variiert wird: Die Stimmführer des Ensemble Resonanz setzten dies ebenso erhellend und transparent um wie die gleich zweimal gespielte Streichorchester-Fassung von Weberns 5 Sätzen für Streichquartett op. 5.

Rubriklistenbild: © segovax/pixelio

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