Niedeckens BAP in der Alten Oper

Der Strom fließt noch

Frankfurt - Domglocken, handgeknüpfte Auslegware und ein gediegenes Wohnzimmerkonzert: Wolfgang Niedecken und eine BAP-Combo, die mit den einstigen Kölsch-Rockern nur noch wenig zu tun hat, laden in der ausverkauften Alten Oper zu einer musikalischen Weltreise der kontemplativen Art. Von Peter H. Müller 

„Für ne Moment“ kann das bei aller Begeisterung eingefleischten Fans schon mal sanft „den Stecker ziehen“. Geige und Mandoline statt E-Gitarre, Akkordeon und Cello statt Keyboard, indisches Harmonium statt Drumbeats und Liebeslieder statt Stadion-Rock - da der gerade 63 gewordene Frontmann zuletzt mit „Zosamme alt“ ein Solo-Album eingespielt hat, dessen Songs Teil der Setliste sind, muss die Band den Kompromiss-Namen „Niedeckens BAP“ führen - Nebengeräusche eines Liedermacher-Abends, der ein wenig kauzig eröffnet und im programmatischen „Sendeschluss“ mit der schönen Zeile „Samstachabend, Ohnsorg läuf, övverm Hof spillt eener Klavier“ endet.

Drei Stunden zuvor sind Niedecken und Co. zu den gedämpften „Hells Bells“ des Kölner Doms auf die Bühne geschlurft, um mit „Noh all dänne Johre“ gleich mal dran zu erinnern, dass die ehemaligen Garagenrocker schon in den 1970-ern zugange waren: Die Migranten-Ballade „Neppes, Ihrefeld un Kreuzberg“ etwa ist so ein Song aus diesen Anfangstagen - nun großflächig restauriert und mit neuem Text versehen. Runderneuert wurde auch die Band, in der Veteranen wie Jürgen Zöller (Schlagzeug) oder der brillante Michael Nass (Hammond, Klavier, Akkordeon) auf Neulinge wie den Kölsch-Marokkaner Rhani Krija (Percussion) treffen. Dazu hat Multi-Instrumentalistin Anne de Wolff Ehemann Uli Rode als Ersatz für Gitarrist Helmut Krumminga mitgebracht.

Ein bisschen Dylan, ein bisschen Neil Young, ein bisschen weiser Troubadour, balladiert Niedecken sich an der Akustikgitarre durch die eigene Biografie: Da „blöht“ der Oleander eingedenk seiner Marokko-Reise, da kommt sein Uganda-Engagement in „Noh Gulu“ zu Gehör und auch etwas zäh fließende Liebesgeschichten um „Magdalena“, „Lisa“ oder „Rita“ dürfen nicht fehlen. Nur gut, dass die feierwilligen Fiftysomethings im Publikum noch Mitklatsch-Hits wie „Verdamp lang her“ oder „Autobahn“ kriegen. Niedeckens BAP haben zwar den Stecker gezogen - der Strom fließt aber noch, irgendwie.

Rubriklistenbild: © dpa

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