Sturm und Drang

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Selten hat die Rumpenheimer Kantorei unter Leiterin Johanna Krell so aufs Tempo gedrückt wie beim Konzert zur Woche der Kirchenmusik in der Schlosskirche.

Selten hat die Rumpenheimer Kantorei unter Leiterin Johanna Krell so aufs Tempo gedrückt wie beim Konzert zur Woche der Kirchenmusik in der Schlosskirche. Nach knapp 50 Minuten hatte sie das klassische bis romantische Programm in einer Rasanz bewältigt, die den Beifall herausforderte. Von Reinhold Gries

Aber Schnelligkeit und Klangmacht kann auch zum Problem werden, selbst wenn in Wolfgang Amadeus Mozarts Salzburger „Te Deum laudamus“ von 1769 vier Allegro- und Adagio-Abschnitte fast atemlos ineinander übergehen. Angetrieben vom jungen „Amaryllis“-Streicherensemble der Frankfurter HfMDK, ging es schon im einleitenden Gotteslob mächtig zur Sache. Erst im „Te ergo quaesumus“ wechselte Drängendes in flehentliche Tonart und kurzes Innehalten, bevor das „Aeterni fac“ wieder mit Wucht angegangen wurde. Nach schlichtem „Miserere nostri“ endete das Drängen und Stürmen in einer Doppelfuge, die in vierfacher Engführung gipfelte und homophon endete.

Strahlender Sopran-Einsatz von Sina Oskedra

Bei der Messe in G-Dur, 1815 geschrieben vom 18-jährigen Franz Schubert, wurde die Schönheit des Chorgesangs entspannter und harmonischer ausgekostet. Das wohlklingende „Kyrie eleison“ gelang mit vielen Frauen- und zu wenigen Männerstimmen andachtsvoll, Sina Oskedra kam zum ersten strahlenden Sopran-Einsatz. Über grummelndem Streicher-Bass ballte sich ein monumentales „Gloria“, bevor die Sopranistin mit Bass Ronny Rickfelder im „Domine Deus“-Duett für Einkehr sorgten. In Wechseln zwischen schlichten Streichereinsätzen und stimmkräftigen Chorakklamationen brodelte es auch im Credo mächtig, bevor die sich dramatisch steigernde Spannung im „Credo in Spiritum Sanctum“ harmonisch löste. Nach der Chor-Fuge des „Hosanna in excelsis“ sorgten die Solisten in stimmigen Dialogen mit dem Chor für den musikantischen Höhepunkt. Nach Oskedras artistischem Hochtongesang und Ralf Petrauschs lyrischer Tenor-Antwort stimmte Bass Rickfelder perfekt ins „Agnus Dei“ ein, bevor der Chor zu leisem und verinnerlichten Finale fand. Davon hätte man gern noch mehr gehört.

Eingängig-singende Thematik

Für den instrumentalen Höhepunkt sorgten die Streicher stehend und ohne Dirigat. Mozarts Streicher-Divertimento KV 137 von 1772, auch „Salzburger Sinfonie“ genannt, zeigte tatsächlich fast sinfonisches Satzgefüge. Nach leichten Abstimmungsproblemen setzte sich die eingängig-singende Thematik auf beinahe italienischer Linie durch. Das wogende Gegeneinander der Streicherstimmen, die souverän bewältigten Durchführungen und die tänzerische Leichtigkeit des fast volkstonartigen dritten Satzes sorgten für reinen Hörgenuss.

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