Suchen und Sehnen

Jarid del Deo, der mit seiner Band Unbunny im Offenbacher Hafen2 gastierte, ist einer der Auffälligen unter den unzähligen Singer/Songwritern, die melodische, gut ins Ohr gehende Songs singen, die aber nicht schlagerhaft sind. Von Stefan Michalzik

Seit einem Jahrzehnt hat dieses Genre Aufschwung genommen. Der in Massachusetts geborene Musiker ist einer vom Typus des sensiblen intellektuellen Feingeists, der mit einem Vermögen zur Ironie ausgestattet ist. Das Offenbacher Konzert eröffnete der mit einer Wollmütze angetane Brillenträger mit einer Reihe von Songs, die er allein zur Akustikgitarre vorgetragen hat.

Die Stimme klingt ein wenig wie die des jungen Neil Young auf dem Album „Harvest“. In den Liedern ist viel von verflossener Liebe die Rede. Als „Saboteur of Love“ charakterisiert sich das lyrische Ich einmal. Es erscheint nicht so arg weit hergeholt, davon auszugehen, dass das klassische Motiv der Bewältigung eigener Erlebnisse mitschwingt. Die Songs sind melancholisch, doch sie triefen nicht. Sie künden davon, dass sich Kummer und Schmerz bewältigen lassen.

Das Unspektuläre birgt die wahre Attraktion

Fast als ginge es darum, nur ein wenig Hausmusik zu machen, hat Jarid del Deo ein ums andere Mal seine beiden Mitmusiker auf die Bühne gebeten. Der Schlagzeuger begleitete erst einmal eine Nummer auf dem Akkordeon, mit flächigen, in einer antivirtuosen Weise hervorgebrachten Klängen. Schließlich kam als dritter Mann der Bassist hinzu, der gelegentlich auch an die Gitarre überwechselte. Unbunny tauchten in der Folge stärker in die Farbenpalette der amerikanischen Urmusiken Folk und Country ein. Suchen und Sehnen, Weite und Verlorenheit: Das ist es, worum es hier musikalisch geht. Im Trio klang die Musik beschwingter als zuvor.

Ein Song unterscheidet sich nicht sonderlich von dem anderen. Das schadet indes nichts, da diese Perlen darüber nicht langweilig werden. Das Unspektakuläre birgt die wahre Attraktion.

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